Zwei auf Weltwegen: 15 Fragen an Elmi & Emma (2.Teil)

Zwei auf Weltwegen - Nepal

Wie versprochen gibt es heute die acht noch fehlenden Fragen aus dem Interview mit Emma & Elmi (Anselm) von Weit um die Welt. Darin geht es diesmal u.a. um Ihre spezielle Art zu reisen, Ihre persönlichen Erfahrungen und warum die Weltreise gerade als Paar besonders intensiv ist – zudem gibt es noch eine Menge Tipps & Ratschläge für alle die sich auch für eine Weltreise begeistern, aber bisher einfach der Mut dazu fehlte.

Falls Du den ersten Teil des Interviews mit Emma & Elmi verpasst hast, findest Du hier noch mal den Link zum Artikel:

Im Moment sind Emma & Elmi von Weit um die Welt gerade in China unterwegs – vor einigen Tagen in Hong Kong angekommen. Dabei hatten die Beiden ziemliches Glück, da sie noch unmittelbar vor Ihrer Abreise nach Hong Kong in Kunming unterwegs waren – kurz nach Ihrer Abreise wurde die Region um Kunming von einem schweren Erdbeben und daraus resultierenden Erdrutschen getroffen.

Mit dem quirligen, bunten und lauten Hong Kong haben Emma & Elmi derzeit so Ihre Probleme. Zwar haben sie recht schnell eine schöne Dachgeschosswohnung mit Blick auf den „Green Lake“ im Stadtzentrum gefunden und Elmi arbeitet bereits als Deutschlehrer um die Reisekasse aufzubessern – aber so richtig warm werden sie mit der kapitalistischen und stark westlichen Mentalität Hong Kongs nicht.

Wenn Du noch mehr über Emmas & Elmis Erlebnisse erfahren und wissen möchtest wo auf der Welt die Beiden gerade unterwegs sind, dann verfolge die aussergewöhnliche Reise von „Zwei auf Weltwegen“ doch auch auf Ihrem Blog – der von den Beiden ständig aktuell gehalten wird.

Hier geht’s zum Blog von Emma & Elmi :

Zwei auf Weltwegen - Bahnhof

Emma am Bahnhof in Rajasthan, mit Gwen und indischen Frauen

Der 2. Teil des Interviews mit Zwei auf Weltwegen

Glaubt Ihr eine Reise mit kleinem Budget ist „echter“ oder „intensiver“ als mit einem „all around the world“ Ticket um den Globus zu „jetten“?
Elmi # Wenn du unsere Überlandreise mit einer Reise á la „all around the world“ Ticket vergleichen möchtest, geht es ja nicht in der ersten Linie um das Budget – denn ein Reisender, der fliegt hat ja nicht zwangsläufig mehr Geld, sondern es geht um die Art des Reisens.

Die macht es tatsächlich echter und intensiver, weil man eben keine Zeitzonen überspringt, keinen Berg auslässt und keine Mühen scheut, auch Regionen zu durchreisen, die (scheinbar) keinen touristischen Sehenswert haben.

Das macht, meiner Meinung nach, den Unterschied aus, zwischen Touristen und Reisenden. Fliegen ist da eindeutig die Abkürzung, der schnelle Weg zur Sehenswürdigkeit. Für uns sind es aber ganz oft genau die Gegenden, die erlebenswert sind, weil sie nicht touristisch erschlossen sind und die Menschen einen ungehemmt und ohne Vorurteile empfangen.

Aber Indien zum Beispiel ist touristisch schon so überlaufen, dass man die wahre Kultur nur noch sehr selten erleben kann. Vieles ist schon vom Westen her beeinflusst, wie Emma das schon angedeutet hat. Und selbst wenn man Kultur dann hautnah erfährt, läuft man in Indien ganz oft Gefahr, dass am Ende jemand Geld von einem verlangt.

Und so etwas passiert eben nicht im “Niemandsland“, durch das man reist, wenn man ohne Flugzeug unterwegs ist. Per Anhalter reisen ist da nur noch eine Disziplin höher, da man sich in die Situation begibt, mit den Menschen Kontakt aufnehmen „zu müssen“. Im Zug oder Bus kann man ja leicht sein „eigenes Ding“ machen. Wer also trampt, ist stets damit beschäftigt, sich auszutauschen.

Daher denke ich schon, dass es wahrscheinlicher ist, dass man durch diese Art des Reisens eine „echtere“ Kultur erlebt, auch wenn ich keinen Flugreisenden um seine „echten“ Kulturerlebnisse bringen möchte.

Wenn du aber tatsächlich kleine und grosse Budgets vergleichen möchtest, so denke ich, dass ein kleiner Geldbeutel dich genauer überlegen lässt, was „drin“ ist und was nicht. Dann ist eben ein „Katchapuri“ im georgischen Restaurant ein Highlight, ist intensiver – weil es nicht jeden Tag passiert. Oder ein Bier. Oder ein Schokoriegel. Genauso sind für uns Hostels ein grosser Luxus.

In Indien gewöhnt man sich zwar schnell daran, für die Nacht in ein Guest House zu gehen. Dadurch verliert es seine Besonderheit, seine Intensität. Aber das ist gefährlich für die Moral. Hier können wir uns das noch leisten, in China ist es aber dreimal so teuer. Daher muss man sich wieder öfter zusammennehmen, hinsetzen und wieder CouchSurfing ankurbeln, früher aufstehen um zu trampen und wieder öfter selber kochen.

Alles eine Frage der Selbstdisziplin.

Ich erinnere mich aber auch noch gut an das erste „richtige“ Bett seit Ewigkeiten, in Ramzar im Iran, nachdem wir fast zwei Monate nur auf der Isomatte geschlafen hatten. Das war ein intensiver Genuss. Sowas fühlt jemand mit einem größeren Budget, der vielleicht öfter in guten Betten schläft, wohl eher nicht – will er aber wahrscheinlich auch nicht.

Wenn man etwas mehr Geld hat, braucht man nicht so viel Disziplin. Wenn man immer nur auf die Einzelsumme schaut und am Ende des Tages nicht zusammen rechnet, scheint hier alles billig zu sein.

Ich denke jedoch, etwas „echter“ oder „intensiver“ zu erleben, entscheidet sich nicht unbedingt durch das Budget. Man kann vielleicht intensiver geniessen, wenn etwas Seltenheitswert hat, aber ich kenne Menschen, die geniessen jedes Bier und jeden einzelnen Schokoriegel.

Zwei auf Weltwegen - Dharamsala, Indien

Emma & Elmi auf dem Triund-Pass, in den Bergen um Dharamsala, Indien

Euer Plan um Kosten zu sparen war es viel zu „Trampen“ und auch im Zelt zu übernachten – welche Erfahrungen habt Ihr dabei gemacht und wo findet Ihr geeignete Zeltplätze?
Elmi # Auch dazu möchte ich sagen, es geht da nicht nur um die Kosten, sondern um das Erlebnis des Trampens. Denn wenn man sich zu jemandem in sein privates Auto setzt findet eine völlig andere Interaktion statt, als wenn ich mich zu Herrn X oder Frau Y in den Bus setze. Im Bus kann ich anonym sein, muss mit niemandem reden und kann mein Leben unabhängig von dem der anderen Mitfahrer führen. Wenn ich schlechte Laune habe, höre ich Musik oder schlafe, wenn es mir gut geht, spreche ich vielleicht jemanden an.

Aber beim Trampen bin ich in der Situation, dass ich mich fuer die Aufmerksamkeit des Fahrers erkenntlich zeigen „muss“ – das ist meine Gegenleistung. Das heisst, wir tauschen uns aus, wir erzählen von unserer Reise, wo wir herkommen und was wir machen, warum wir trampen usw..

Oft kommen da wunderbare Gespräche zustande und es passiert oft, dass Leute uns so lieb gewinnen, dass sie uns zu sich nach Hause einladen. Wir legen es nicht darauf an oder drehen Geschichten nicht so, als würde eine Notwendigkeit dazu bestehen:

Leute sind einfach nur gastfreundlich und wollen Fremden etwas davon zeigen!

Und selbst wenn der Bus nicht teuer gewesen wäre, so reisten wir oft per Anhalter, um Menschen zu treffen, um ihre Geschichten zu hören, denn wir reisen ja nicht, um anderen von uns zu erzählen, sondern gerade weil wir etwas von der Kultur anderer erfahren möchten.

Emma # Bisher haben wir beim Trampen auf dieser Reise hauptsächlich gute Erfahrungen gemacht. Natürlich trifft man manchmal auf seltsame Leute, Fahrer werden gefährlich müde bei weiten Strecken oder wir stehen lange an der Strasse, bis jemand anhält. Aber dennoch waren die meisten Begegnungen gut und wir haben wunderbare Menschen auf diese Weise kennen gelernt und durften oft zu Gast bei Familien sein.

In manchen Ländern funktioniert das Trampen vielleicht weniger schnell oder man muss erklären, dass man kein Geld geben will. Aber wenn wir uns gut fühlten und auch per Anhalter reisen wollten, dann hat es eigentlich immer geklappt.

Elmi # Der Rucksack ist auf unserer Reise zu unserem kleinen Haus geworden, das Zelt zu unserem Schlafzimmer. Alles hat seinen Platz, jeder Handgriff sitzt. Es tut gut, einfach seine kleine eigene „Schutzhülle“ zu haben, es ist ein Ort wo wir uns mittlerweile sehr wohlfühlen, besonders weil man merkt, wie wenig man eigentlich braucht.
Wenn wir irgendwo ankommen und beschliessen, zu zelten, suchen wir uns ein ruhiges Fleckchen, möglichst in der Natur und möglichst abgeschieden und sichtgeschützt und schlagen unser Lager auf. Ideal ist ein Platz, an dem man auch ein kleines Feuer machen kann, zum Kochen. Also braucht man Holz. Das ist die Art von Zeltplätzen, die wir so ansteuern!

Fürs Zelten bezahlt haben wir, soweit ich mich erinnere, nur einmal.

Auf Eurer Webseite bietet Ihr die Aktion „Make Our Day“ an, bei der Interessierte Euch gegen eine kleine Spende Aufgaben stellen können – welche Aktionen habt Ihr bisher gemacht und was hat Euch am besten gefallen?
Die Idee von „Make Our Day“ kam einerseits deshalb auf, weil wir die Verbindung nach Hause vermisst haben und Freunden und Verwandten die Möglichkeit geben wollten, Teil der Reise zu werden. Andererseits haben wir überlegt, wie wir mehr mit der Bevölkerung in Kontakt geraten können, denn besonders nach einer Weile des Reisens haben wir uns ziemlich abgekapselt gefühlt. Ich denke, es ist normal nach ein paar Monaten, in denen man ständig kulturellen Austausch betreibt…

Auf jeden Fall war die Zeit ohne ein Projekt ein bisschen einseitig, und wir haben uns danach gesehnt, aktiver zu reisen und haben dann einfach wieder einen Anreiz gesucht, wildfremde Leute auf der Strasse anzusprechen.

Wir haben uns lange Zeit danach gesehnt, Projekte zu starten oder besondere Aktionen zu unternehmen. Das erste Treffen mit Gwen und Patrick war da sehr inspirierend.

„Make Our Day“ hat bewirkt, dass wirklich interessante Begegnungen zustande kamen, Freundschaften geknüpft wurden und Freunde und Bekannte einen kleinen, persönlichen Einblick in unsere Reise bekommen haben.

Die schönste Aufgabe bisher war vielleicht die allererste.

Eine Freundin aus Deutschland wollte ihrer Mama ein Geburtstagsgeschenk machen, und bat uns, drei Fragen an zehn verschiedene Leute zu richten. Es waren sehr persönliche Fragen über die Beziehung zu ihren Müttern. Die Aufgabe haben wir im Iran bekommen und es war hochinteressant zu sehen, was wir für Antworten in dieser so „abgeschotteten“ Gesellschaft bekommen haben.

Es war vor allem rührend. Viele haben gesagt, sie würden ihrer Mutter davon erzählen und ihr sagen, wie lieb sie sie haben. Wir haben Bilder gemacht und die Antworten in eine Präsentation eingebaut und ihr geschickt. Die Mama unserer Freundin, und sie selbst fanden das Geschenk unglaublich bewegend und waren sehr dankbar dafür.

Ansonsten gab es die Aufgaben, in eine Schule zu gehen und dort Fragen zu stellen und den Unterricht zu beobachten und wir sollten Kinder in einem Kinderheim erfreuen. Ein Filmfreund von uns hat sich ausserdem gewünscht, dass wir Imbissbuden abfilmen. Diese Aufgaben sind als nächstes dran.

Wir haben schon mit Chinesen getanzt, Gegenstände in Kirgistan getauscht, einen typisch iranischen Tag in Tehran erlebt und in Indien Geburtstagswünsche in so vielen Sprachen wie möglich gesammelt. Ausserdem gab es viele interessante Fragen und es war nicht immer nur leicht – auch für die Leute, die wir gefragt haben. „Was bedeutet Stille für dich?“ – diese Frage aus Kirgistan zum Beispiel.

Aber wir freuen uns natürlich auf weitere Aufgaben, je ausgefallener, desto besser. Aber sie sollten im finanziellen Tagesrahmen bleiben und örtlich unabhängig sein.

Zwei auf Weltwegen - Wandern

Zeltplatz von Emma & Elmi in den Bergen von Nordwestindien.

Ihr betreibt ja einen Blog zu Eurer Reise den Ihr ständig aktuell haltet – kontaktieren Euch viele Leser über den Blog, bekommt Ihr durch den Blog Zuspruch oder sogar Spenden zu Eurer Weltreise?
Ja, es ist sehr schön von Lesern Feedback zu bekommen. Besonders, da wir selbst vielleicht nicht mehr so den Abstand zu dem haben, was wir schreiben oder bloggen. Am schönsten ist es, von Leuten zu hören, die wir länger nicht gesehen haben oder die wir über „drei Ecken“ kennen.

Es schreiben uns Freunde, Bekannte, unsere Familien, Arbeitskollegen von unseren Eltern, aber auch völlig Unbekannte, die einfach so auf unseren Blog gestossen sind oder von uns in der Zeitung gelesen haben.

Viele Leute machen uns immer wieder Mut und hin und wieder kommt auch eine kleine Spende rein, von Menschen, die selbst gern gereist sind, reisen würden oder es toll finden, was wir machen. Wir haben sogar auch Unterstützter, die uns monatlich einen kleinen Beitrag zukommen lassen.

Ist es für Euch ein Vorteil als Paar solch eine Reise gemeinsam zu unternehmen und hat die Reise Euch enger „zusammengeschweißt“ oder gibt bzw. gab es auch schwierige Momente?
Elmi # Definitiv ist es ein grosser Vorteil, gemeinsam zu reisen, mit anderen Worten – ohne Emma würde ich diese Reise nicht machen wollen, geschweige denn können. So viel, was diese Reise ausmacht, bekommt ihren Wert erst, weil Emma dabei war oder ist.

Man lernt es zu schätzen, Erlebnisse teilen zu können und jemanden an seiner Seite zu haben, der einen bestens kennt.

Wie im Alltag „zu Hause“ auch, entwickelt man auf einer Reise eine gewisse Routine. Natürlich ist die Kulisse ständig wechselnd, die Menschen, die einen umgeben, sind jeden Tag andere. Aber darin besteht auch die Schwierigkeit: Für mich ist Emma die einzige Bezugsperson, die permanent da ist – und für sie umgekehrt. Da kommt es besonders auf Vertrauen an und auf gegenseitige Hilfe. Wenn es einem von uns nicht gut geht, muss der andere eben einspringen.

Generell kann man sagen, wir haben uns unglaublich weiterentwickelt, individuell als auch gemeinsam. Unser Zusammenhalt ist eindeutig stärker geworden, denn eine „24/7-Beziehung“ erfordert unglaublich viel Kraft und Ausdauer. Die hatten wir vor der Reise so noch nicht, obwohl wir nun schon fünf Jahre zusammen sind.

Und die Aufgabe, Konflikte gemeinsam zu bewältigen, obwohl man gerade Schwierigkeiten miteinander hat und doch aufeinander angewiesen ist, lässt sich nicht simulieren – entweder es funktioniert im Ernstfall, oder nicht.

Wir sind uns dadurch noch näher gekommen.

Es ist meiner Meinung nach eine gute Entscheidung, eine solche Reise mit seinem Partner bzw. seiner Partnerin zu machen.

Emma # Auf jeden Fall schweisst einen als Paar eine solche Reise mehr zusammen. Besonders wenn man lange unterwegs ist und eben nicht mit dem Touribus von Hotel zu Hotel fährt und nicht immer nur die „bequemen“ Wege geht.

Es ist anstrengend manchmal, da man auch durch alle Schwierigkeiten zu zweit hindurch muss, aber dies wiederum ist auch ungeheuer erleichternd, da man sich nicht alleine fühlt.

Ich denke, wir haben uns in diesem Jahr der Reise noch viel besser, ganz anders und generell intensiver kennen gelernt. Es tut gut, am Ende des Tages, jemanden, der einen so gut kennt, zur Seite zu haben, um den Tag auszuwerten.

In einem Jahr waren wir nur zwei Wochen getrennt voneinander unterwegs und besonders da habe ich gemerkt, wie wichtig es doch ist, jemanden zum Reden zu haben, dem man sich nicht erst vorstellen muss.

Zwei auf Weltwegen - Tehran

Elmi von Zwei auf Weltwegen in Tehran, Iran.

Gerade seid Ihr in Indien unterwegs – wie sieht Euer weiterer Plan aus, wo geht es als nächstes hin und habt Ihr schon Ideen wie Ihr auf Eurer weiteren Reise den Pazifik überqueren wollt?
Wir sind seit ein paar Tagen aus Indien raus, weil unser Visum abgelaufen ist. Gerade feierten wir unser einjähriges Reise-Jubiläum in Nepal. Wir sind hierher zurück gekehrt, um nach den stressigen indischen Städten und den vielen Menschen mal wieder die Natur zu geniessen, zu zelten, zu wandern und über dem Feuer zu kochen.

Der Plan ist, zurück nach China zu reisen, um dort ein paar Monate zu arbeiten. Der einzige mögliche Weg über Land führt für uns durch Tibet. Da wird ein Traum wahr, nachdem wir im Januar/Februar nicht einreisen durften.

Es wird sicherlich sehr interessant, ist aber eine kostspielige Angelegenheit, da man sich bei einer Reiseagentur bewerben muss, die nicht nur das Chinesische Visum und die Tibet-Erlaubnis besorgen, sondern auch die gesamte Woche als Reisepaket verkauft.

Es ist nicht möglich, individuell zu reisen. Das ist die Kehrseite. Aber wir sind gespannt.

Der Pazifik ist noch zu weit weg, darüber machen wir uns noch nicht wirklich Gedanken. Nach der Zeit in China soll es erst einmal nach Süden gehen, über den Äquator, immer weiter bis nach Australien. Dort wollen wir auch eine Weile bleiben, um zu arbeiten.

Bis wir dort sind, vergeht aber sicherlich auch noch eine ganze Menge Zeit. Danach hoffen wir darauf, Zeit in Neuseeland zu verbringen und dann steigen wir wohl vermutlich auf irgendein Schiff, das uns nach Amerika bringt. Ob nach Süden oder Norden, ist, wie alles andere auch, noch offen.

Auch wenn Ihr noch ein bis zwei Jahre unterwegs sein wollt – wenn Ihr dann wieder nach Deutschland zurückkehrt, glaubt Ihr dass ihr einfach dort weitermachen könnt wo Ihr aufgehört habt bzw. dass Ihr Euch überhaupt wieder in unsere „Leistungsgesellschaft“ eingliedern könnt und wollt?
Elmi # Sicherlich wird es interessant, wieder nach Deutschland zu kommen. Saubere Strassen, die Autos bleiben auf ihrer Spur, bei Rot bleibt alles an der Ampel stehen. Allein so etwas wird sicherlich komisch.

Weitermachen wie vorher können wir sicherlich nicht, denn wir haben ja im Prinzip alles zurück gelassen, die Reise ist ein neuer Lebensabschnitt. Aber selbst wenn es ginge, wollte ich nicht einfach wieder dort einsteigen, wo ich ausgestiegen bin. Klar, momentan denke ich, dass ich studieren werde und ich habe ganz profane Träume vom Skifahren in Österreich, vom rasenmähen in Brandenburg, vom Autofahren durch die Oberlausitz und vom Musizieren mit der Familie.

Aber innerhalb eines Jahres habe ich mich schon so stark verändert, dass ich denke, diese Träume werden sich auch weiter verändern, je länger wir reisen. Und im Endeffekt kann ich mir auch vorstellen, in einem anderen Land als Deutschland zu leben, zu studieren oder zu arbeiten.

Es ist mir wichtig, mich von den konservativen Richtlinien loszusagen: „Erst musst du Abitur machen, dann studieren, dann arbeiten, heiraten, ein Haus bauen usw..“

Davon kommt man zum Glück automatisch ab, wenn man beginnt, zu reisen. Dinge wie Hobbys, Talente, Sprachen werden wichtiger, man lernt sich selbst besser kennen, lernt seine Schwächen und Stärken schätzen und lernt auch damit umzugehen. Der eigene Reifeprozess ist für mich mittlerweile wichtiger, als Schulbücher zu wälzen und sich auf einem Uni-Campus herumzudrücken.

Besonders wichtig wird es, wie wir uns und das, was wir auf der Reise gelernt haben, in das Leben „zu Hause“ integrieren, denn es ist nicht sicher, dass sich dort auch so viel verändert hat. Das kann vielleicht frustrierend oder enttäuschend sein. Vielleicht bekommen wir dann das Gefühl, wir müssten Freunde und Verwandte dazu zu bringen, etwas in ihrem Leben zu verändern.

Entweder kann man die Situation zu Hause akzeptieren oder, wenn man doch etwas verändern möchte, probieren, durch die Art und Weise wie man selbst lebt, anderen ein Beispiel zu sein – ohne das Gefühl entstehen zu lassen, überheblich zu sein und ohne den Gedanken mehr Lebensweisheit erlangt zu haben.

Emma # Manchmal, wenn ich mal wieder realisiere, wie verrückt es ist, dass wir gerade in Nepal oder in Indien oder China sind, stelle ich mir vor, wie es wäre, jetzt plötzlich wieder in Deutschland zu sein. Ich glaube, wir haben uns schon so sehr an die vielen seltsamen, witzigen und überraschenden Dinge, die uns jeden Tag begegnen, gewöhnt, dass es, denke ich, schon ein grosser Kulturschock wäre, zurück in Deutschland zu sein.

Ich kann mir vorstellen, dass ich eine ganze Weile brauchen werde, um mich wieder an die „deutsche Mentalität“ zu gewöhnen. Je nachdem, wie und wann wir nach Hause kommen. Vieles werde ich sicher nicht verstehen oder akzeptieren können und vielleicht werde ich mich auch nach der Reisezeit zurück sehnen.

Ich glaube, es ist sehr wichtig, sich auch nach der Reise nicht sofort wieder in irgendwelche Verpflichtungen und Projekte zu stürzen, sondern sich selbst Zeit lassen, um wieder anzukommen und um die Erlebnisse zu verarbeiten. Vielleicht werde ich studieren, vielleicht eine Ausbildung machen. Aber ob ich mich überhaupt in diese „Leistungsgesellschaft“ integrieren will, bezweifle ich.

Wenn diese Reise mich eines lehrt, dann ist es wohl, meinem Herzen zu folgen und meinen eigenen Weg zu finden – nicht den, den andere von mir erwarten.

Zwei auf Weltwegen - Armenien

Elmi bei „Trampen“ in Armenien.

Es gibt viele Menschen „da draussen“ die sicherlich auch von einer langen Reise träumen, sich aber nicht trauen oder täglich Ausreden für sich selbst finden: „Warum Sie so eine Reise gerade nicht angehen können.“ – was würdet Ihr diesen Menschen mit auf den Weg geben wollen und welche Tipps habt Ihr für alle die eine ähnliche Reise wie Ihr Beiden machen möchten?
Elmi # Für alle Zweifler: Ich glaube einfach, eine solche Weltreise ist nicht jedermanns Sache. Schon allein die Vorstellung, Freunde und Familie für ein oder mehrere Jahre zu verlassen, ist für viele sicherlich ausschlaggebend, nicht für unbestimmte Zeit in die weite Welt zu ziehen.

Diesen Menschen möchte ich sagen: Das ist auch okay so. Du musst dich danach fühlen!

Ich wollte immer schon weg und habe es von vorn herein in Kauf genommen, dass ich viele geliebte Menschen eine ganze Weile nicht sehen werde. Wenn du dir es aber vorstellen kannst, für längere Zeit unterwegs zu sein und du weisst nur noch nicht wie, dann solltest du auf jeden Fall ernsthaft darüber nachdenken.

Ich denke, das Wichtigste ist es, daran zu glauben, dass es möglich ist.

Dann natürlich, so viel wie möglich zu sparen, aber sich auch nicht zu sehr den Kopf über das Geld zu zerbrechen. Es gibt überall auf der Welt die Möglichkeit, Geld zu verdienen. Es ist vielleicht nicht so leicht und so gesichert wie zu Hause, aber es ist leichter, als man denkt.

Der erste und einschneidendste Schritt ist dann, Verbindungen zu kappen, d.h. Job und Wohnung etc. zu kündigen, sozusagen das „Outing“ der Reiseidee. Wenn das erstmal geschehen ist, wird es leichter.

Die tatsächlichen Reisevorbereitungen sind essentiell aber für jeden unterschiedlich. Eine Auslandskrankenversicherung ist sinnvoll, denn es kann einfach immer etwas passieren und es ist besser, eine Absicherung zu haben, als selbst auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Das kann ganz dramatisch das Budget verringern!

Ein Konto bei einer Bank einzurichten, die dir eine Kreditkarte stellt und mit der du ohne Gebühren Geld im Ausland abheben kannst, ist auch ratsam. Beim Material achtet jeder auf andere Dinge, je nach Hobbys und Komfort, den man so braucht. Allerdings gibt es Sachen, die unverzichtbar sind.

Die Hit-Liste für mich sind: Guter Rucksack, gutes Zelt, guter winterfester (!!!) Schlafsack, gute Schuhe. Alles andere kommt hinten dran.

Und dann kann ich einfach jedem raten: Nehmt euer Herz in die Hand und lauft los, bereist die Welt, lernt, wachst und reift! Und nehmt euch alle Zeit der Welt!

Ein Buch, dass ich sehr empfehlen kann und mir persönlich weitergeholfen hat ist „Das Cafe der Fragen“ von „John Strelecky“ – es beschäftigt sich mit den Lebensräumen und der Frage „Warum bin ich hier?“

Hier kannst Du mehr über dieses inspirierende Buch erfahren:

Emma # Lasst euch nicht einreden, ihr seid zu alt oder zu jung, zu unerfahren oder zu sehr im Arbeitsalltag eingespannt. Es ist euer Leben. Ihr seid die einzigen, die es leben könnt. Es liegt in eurer Hand und Verantwortung, was ihr damit anfangt. Und wenn es euer Wunsch ist, die Welt zu sehen, dann steht dazu und reist! Ihr könnt nur reicher dadurch werden: an Erfahrungen, Geschichten, Freunden, Selbstvertrauen, Menschenkenntnis, Sprachen…

Mehr Abenteuer und reisen mit wenig Geld

Erst einmal – ¡ Vielen Dank ! – an Emma & Elmi von Zwei auf Weltwegen für dieses inspirierende und sehr sympathische Interview. Es hat mir sehr viel Spass gemacht und ich freue mich schon auf weitere News von Eurer Weltreise!

Natürlich wird es auch in Zukunft noch viele Artikel hier auf Feel4Nature geben, die sich mit dem Reisen mit kleinem Budget beschäftigen aber auch damit wie Du dauerhaft auf Reisen Geld verdienen kannst.

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