Zwei auf Weltwegen: 15 Fragen an Elmi & Emma (1.Teil)

Zwei auf Weltwegen - Elma & Elmi

Möglichst lange Reisen mit so wenig Geld wie irgendwie möglich – wer möchte das nicht? Wahrscheinlich haben wir alle schonmal im Kopf durchgespielt wie lange wir mit unserem Ersparten um die Welt reisen könnten, doch nur die Wenigsten von uns hatten bisher den Mut auch wirklich loszuziehen…

Bereits im April habe ich einen Artikel über das „Reisen mit wenig Geld“ geschrieben und Dir zwei Paare vorgestellt, die nicht gezögert haben. Zwei Paare die bereits mit wenig Geld um die Welt reisen. Falls Du diesen Artikel zum Thema „Reisen mit wenig Geld“ verpasst hast – hier ist er:

Um das Thema weiter zu vertiefen und Dir einen besseren Einblick in die Möglichkeiten, die Motivation, die Vorbereitungen und den Ablauf einer „Reise mit wenig Geld“ zu geben habe ich mit Gwen & Patrick von Weit.um die Welt bereits ein interessantes Interview geführt – dieses findest Du hier:

Heute geht es nun in die zweite Runde mit einem Interview mit Elmi & Emma von Zwei auf Weltwegen – dem zweiten Paar aus meinem Artikel, dass mit wenig Geld um die Welt reist.

Elmi & Emma von Zwei auf Weltwegen

Das kreative Paar aus der Oberlausitz war schon immer sehr flexibel, aktiv und reiselustig. Beide „jobbten“ bereits in Wintersportgebieten, verkauften Geschenke auf Weihnachtsmärkten und erkundeten zwischendrin ganz Europa mit Ihrem bunten Ford Fiesta oder mit erhobenem Daumen am Strassenrand – bevor es los zu Ihrer großen Weltreise ging.

Mittlerweile sind Elmi & Emma bereits mehr als ein Jahr auf ihrer Weltreise mit „kleinem Budget“ auf der östlichen Hemisphäre unterwegs und sind gerade in Kunming, China angekommen von wo aus sie sich in den nächsten Tagen für Visaangelegenheiten auf nach Hong Kong machen werden.

Noch mehr Infos über den Werdegang der Beiden, Ihre Reise und Ihren aktuellen Standort findest Du auf Ihrer Webseite – die regelmässig mit aktuellen News aktualisiert wird.

Wie Gwen & Patrick habe ich auch Emma & Elmi 15 ganz ähnliche Fragen gestellt und sehr interessante und informative Antworten erhalten – los geht’s…

Zwei auf Weltwegen - Iran

Emma & Elmi mit iranischen Reisefreunden in Shiraz.

Das Interview mit Elmi & Emma von Zwei auf Weltwegen

Wann habt Ihr das erste Mal über das Thema Weltreise nachgedacht und seid Ihr vorher auch schon viel gereist?
Elmi # Genau kann ich es nicht sagen, aber ernsthaft wohl das erste Mal in Irland. Ich war damals schon mit Emma zusammen, sie machte in Deutschland gerade ihr Abitur und ich machte Freiwilligendienst. Wir haben uns überlegt, was wir nach diesem Jahr unternehmen.

Südamerika stand ganz oben auf der Liste.

Da ich aber keine Lust auf ortsgebundene Projektarbeit hatte, ist die Idee entstanden, eine Weltreise zu machen und dabei nicht nur Südamerika zu erkunden.

Gereist sind wir eigentlich jeden Sommer, haben die Rucksäcke vollgepackt und sind per Anhalter durch Europa. Mit meiner Familie bin ich auch als Kind schon oft rumgereist. Wir haben bei Freunden an der Nordsee, in Holland oder der Schweiz Urlaub gemacht, aber nie diesen Pauschalkram. Wir haben immer selbst gekocht, sind gewandert und wenn es mal in ein Restaurant ging, war es etwas Besonderes.

Emma # Eigentlich war ich anfangs etwas unsicher, ob die Entscheidung, nun doch nicht in ein festes Projekt in Südamerika zu gehen, richtig war. Aber schnell merkte ich, wie viel Lust ich eigentlich auf diese viel freiere und selbstbestimmte Art des Reisens hatte.

Andere Kulturen, Sprachen und Länder haben mich ohnehin schon lange fasziniert und so erschien mir eine Weltumrundung gar nicht mehr nur als ferner, kaum realisierbarer Traum. Generell fand ich es immer schon spannend, von Leuten zu hören und zu lesen, die auf eine ähnliche Reisen gegangen waren. Und schon als Teenager habe ich mit Freunden Pläne geschmiedet, wie wir mal mit einem Bus durch die Welt fahren. Die Idee des Weltreisens schwirrte also schon lang in meinem Kopf herum.

Wie waren die Reaktionen Eurer Familie, Eures Freundes- und Bekanntenkreises, als Ihr erstmalig von Eurem Plan einer Weltreise erzählt habt?
Elmi # Ich glaube, meiner Familie war es schon relativ zeitig klar, dass ich mal für längere Zeit reisen werde. Aber ich denke, sie haben erstmal daran gezweifelt, dass ich es wirklich mache.

Als es dann für mich beschlossene Sache war, kamen natürlich schon die typischen Fragen, was denn mit Studieren sei und wie ich mir das vorstellte. Aber es war auch von vorn herein klar, dass sie mir bei meinem Vorhaben den Rücken stärken würden.

Meine Eltern sind totale Unterstützer. Wenn sie merken, dass man etwas gefunden hat, was man wirklich will, dann stehen sie voll hinter einem. Und so war es dann auch von Anfang an. Zwar ein bisschen mit wachsamen Augen, aber auch immer mit Vertrauen. Das tat gut.

Emma # Meine Familie hat mir da eigentlich immer recht viel Freiraum gegeben, hat sich natürlich anfangs aber auch Sorgen gemacht, ob so eine Weltreise denn das Richtige für mich wäre. Die Fragen nach dem Studieren usw. kamen auch immer wieder, aber als es dann klar wurde, dass wir diese Weltreise tatsächlich antreten würden, haben sie sich auch immer mehr mit der Idee angefreundet.

Obwohl es für sie sicher nicht so leicht war, mich als Tochter in die weite Welt ziehen zu lassen. Aber ich glaube, es war auch gut, dass wir schon vorher öfter zu kleineren Reisen aufgebrochen und daher nicht ganz blauäugig an die Sache heran gegangen sind. Letztendlich waren meine Eltern doch froh, dass wir diese Möglichkeit und auch den Mut haben, die Welt zu entdecken – etwas, das sie in der DDR nicht hatten, selbst wenn sie gewollt hätten.

Elmi # Freunde von uns sagten immer: „Macht das!“, ganz viele waren von der Idee begeistert und machten uns Mut: „Wenn das jemand durchzieht, dann ihr!“.

Denn obwohl viele von unseren Freunden reisebegeistert sind, schaffen es wenige, sich von ihrem Alltag loszureissen.

Aber es gab auch Leute, die sagten, es wäre nicht gut, eine Lücke im Lebenslauf zu haben und durch den fehlenden Rentenbeitrag würden wir uns im Alter ärgern.

Bei solchen Kommentaren hab ich relativ schnell abgeschaltet…

Emma # Für viele ist es wohl schwer vorstellbar, sich von all den Sicherheiten und Vertrautheiten zu Hause zu lösen. So vieles ist auf solch einer Reise ungewiss. Einige Leute konnten nicht verstehen, warum wir diesen Weg dem gesicherten von Studium und Arbeitsleben vorziehen.

Zwei auf Weltwegen - Zelten im Iran

Einer von Emmas & Elmis Zeltplätzen im Iran.

Wie lange habt Ihr Euch auf Eure Weltreise vorbereitet und welche Vorbereitungen habt Ihr getroffen?
Seit wir die Idee hatten, haben wir Informationen gesammelt, haben Weltreiseblogs, & -foren, Erfahrungsberichte und Bücher gelesen und natürlich viel mit Leuten geredet, die schon mal länger unterwegs waren.

Auf den Reisen davor liess sich gut testen, was man an Material braucht – und was nicht! Wir tendieren generell eher dazu, zu viel mitzunehmen. Daher haben wir auch mit Emmas Bruder, einem wahren Abenteurer, viel Material-Planung gemacht. Zwei Monate in Frankreich, Spanien und Portugal haben dann noch mal ganz viel „Know-How“ mit sich gebracht.

Der nächste Schritt war dann, tatsächlich einen Plan zu machen, wo es hingehen soll, wie, wann und wie lange. Über Land nach Indien wollten wir. Soviel stand erstmal fest.

Im Frühjahr 2013 wollten wir los und haben mit der intensiven Planung im Herbst 2012 begonnen – das war eigentlich schon zu spät.

Die Reiseroute haben wir grob zusammengebastelt, wir wussten wenig über Visa und all diese Dinge, uns war nur klar, dass wir uns erst in Georgien um die ersten Visa kümmern mussten. Emma hat dabei die Informationen zu jedem der einzelnen Länder bis nach Indien gesammelt und aufgeschrieben. Das war vor allem viel Recherche-Arbeit am PC. Draussen war es schön, und wir sassen vor dem Rechner.

Ich habe mich während dessen darum gekümmert, ein Konto einzurichten, habe Auslandskrankenversicherungen verglichen und den Blog gestaltet.

Auch haben wir versucht, Unterstützer zu finden, haben Outdoor-Ausstatter, Zeitschriften und Travel-Shops nach Sponsoring angefragt. Dabei haben wir einen Holz-Kocher gesponsert bekommen, von HUFIX (www.hufix.de) .

Ansonsten kam leider nicht viel Resonanz, aber es gibt einfach auch zu viele Leute, die auf Reisen gehen, meistens auf noch auf viel anspruchsvollere Art, als wir es planten. Um einen Sponsor zu finden, der einem Geld gibt, muss man schon ausgefallene Dinge ins Auge fassen – im Winter mit dem Pferd von Sibirien über die Mongolei nach Europa reiten oder so. Dann hat man vielleicht eine Chance.

Aber wir haben dennoch gute Rabatte bekommen, besonders bei der Beschaffung unserer Ausrüstung.

Damit haben wir relativ lange gewartet. Im Endeffekt ist das Material alles was zählt. Informationen kann man immer noch im Internet nachlesen, aber die Ausrüstung muss stimmen! Ich möchte dabei lobend die Beratung im „fernwegs“ Geschäft in Dresden erwähnen. (www.fernwegs.de) Ohne die wären wir nicht so gut vorbereitet gestartet.

Geldtechnisch haben wir schon seit der Abizeit vorbereitet. Viel ist durch die Reiserei vorher aber auch schon wieder abgegangen. Daher waren es hauptsächlich die Ersparnisse der zwei Wintersaisons in Österreich und die Zuverdienste der kleinen Jobs, die wir vorher hatten. Dazu kamen ein paar Ersparnisse, die meine Eltern (Elmi) für mich angelegt hatten, als ich noch klein war.

Reiseimpfungen und all diese Dinge kann man nicht alle auf einmal bekommen, daher muss man da auch gut zeitlich planen und sich informieren, welche Impfungen empfohlen sind, welche notwendig und welche vielleicht sogar von der Krankenkasse bezahlt werden. Einen Monat dauert das alles ungefähr.

Wir haben viel für die Impfungen bezahlt – aber da hiess es für uns auf jeden Fall: „Sicherheit geht vor.“

Das Wichtigste aber ist noch nicht gesagt: Die mentale Vorbereitung! Man steckt irgendwie mit dem Kopf schon im Reisen, ist aber noch zu Hause, sieht immer öfter Freunde und Bekannte zum „letzten“ Mal und es ist oft sehr emotional. Für mich war es sehr wichtig, all mein Hab und Gut zu verpacken und auf den Dachboden zu stellen, wichtige Dokumente für meinen Vater als „Homebase“ zu deponieren und Verträge zu kündigen – alles abzuschliessen.

Da war bei uns glücklicherweise keine Wohnung zu kündigen, kein Job oder keine Versicherung. Vieles lief bzw. läuft da ja noch über die Eltern.

Zwei auf Weltwegen - China

Elmi mitneugierigen Mitreisenden in Xinjiang, China.

Als Euer geplantes Abreisedatum näherrückte und als es dann losging – wie habt Ihr Euch da gefüllt? Hattet Ihr nur positive Gedanken oder waren auch Ängste mit Eurer Reise verbunden?
Elmi # Ich konnte es kaum erwarten, endlich loszureisen. Die ganze Vorbereitung war mir irgendwann zu langwierig, und ich wollte einfach los. Natürlich ging das nicht so einfach. Ich habe ein paar Freunde, die mal eine ähnliche Reise machen wollten, die haben meistens kurz vor der Abreise gekniffen. Aber darum habe ich mir bei uns keine Sorgen gemacht.

Die Vorbereitung dauerte länger als geplant, so konnten wir nicht im April los, wie gedacht, und auch nicht im Mai, sondern eben erst im Juni. Als es am 1. Juni aber immer noch in Strömen regnete und es schlimme Hochwasser in unserer Region gab, einige wichtige Dinge noch nicht geregelt waren und noch kein Abschied gefeiert war, haben wir entschieden, zu warten, bis der Regen aufhört und die Abreise nochmals verschoben.

Für mich war es im Endeffekt nicht so wild.

Aber es war, denke ich, für meine Familie nicht so leicht. Meine elfjährige Schwester hat mir weinend erzählt, wie sehr sie mich vermissen wird. Das tat am meisten weh. Aber Ängste gab es bei mir eigentlich nicht. Hauptsächlich Vorfreude.

Als wir dann unsere Abschiedsparty machten, war es schon ein komisches Gefühl. „Tschüss“ zu sagen und es war doch gar nicht so leicht. Als dann am vorletzten Tag vor der Abreise die Familie das letzte Mal zusammen war, flossen viele Tränen.

Wir waren ziemlich kaputt, hatten in den letzten Tagen vor der Reise aber auch sehr wenig geschlafen. Am letzten Tag bevor es los ging haben wir einfach noch mal einen Tag Ruhe genossen, haben ausgeschlafen, gemütlich gefrühstückt, die Tasche war bereits gepackt.

Es war gut, noch einmal durchzuatmen, bevor es dann wirklich los ging. Das kann ich auch jedem empfehlen, keinen Stress mehr zu machen am letzten Tag! Der soll da sein zum Kräfte sammeln!

Emma # Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass ich in den letzten zwei Wochen vor Antritt der Reise emotional ziemlich aufgewühlt war. Zum einen hatte ich jeden Tag all die Vorbereitungen und Pläne vor Augen, die nun bald Wirklichkeit werden sollten.

Ich freute mich so darauf, all diese Länder nun bald bereisen zu können und nicht mehr nur im Kopf davon träumen zu müssen. Zum anderen hatte ich mich nach über zwei Monaten zu Hause bei meiner Familie wieder sehr im häuslichen Alltag eingelebt und es tat weh, von all den lieben Freunden und Familienmitgliedern Abschied zu nehmen.

Irgendwie war es schon beflügelnd, diesmal nicht sagen zu müssen: „Bis in zwei Monaten!“, aber ein mulmiges Gefühl hatte ich doch, nicht zu wissen, wann ich wiederkommen würde. Heimweh und Fernweh gingen da Hand in Hand.

Wirklich Angst bezüglich der Reise hatte ich nicht, nur Sorge, irgendetwas bei der Planung vergessen, nicht bedacht oder noch nicht genügend recherchiert zu haben.

Jetzt seid Ihr seit mehr als einem Jahr unterwegs – haben sich Eure Hoffnungen und Ängste im Bezug auf die Weltreise bewahrheitet oder haben sich die Dinge ganz anders entwickelt als Ihr es vermutet hättet?
Elmi # Wenn ich bisher etwas gelernt habe – dann, dass es am besten ist keine Erwartungen zu haben. Durch unsere Art zu reisen ist es eigentlich sehr angenehm gewesen, wir haben keinen Kulturschock erlebt, der uns völlig aus der Bahn geworfen hätte. Veränderungen kamen immer Stück für Stück und wenn es so etwas wie Ängste gab, haben sie sich schnell als Vorurteile herausgestellt und es war meist lustig, wenn wir dann gemerkt haben, wie „beschränkt“ die Gedanken oft waren.

Ich habe sehr schnell gemerkt, dass die Lebensqualität in jedem Land in das wir kamen viel höher war, als ich vor der Reise erwartet habe. Zumindest in den Gebieten, wo wir unterwegs waren.  Deshalb habe ich schnell aufgegeben, an Klischees zu glauben, Angst zu haben oder Vorurteile zu hegen.

Hoffnungen haben darf man, glaube ich: Auf gutes Essen, freundliche Leute und schöne Natur, aber da wird man auch nie enttäuscht wenn man mit offenen Augen und einem „offenen“ Herzen unterwegs ist.

Eins kann man vielleicht erwähnen: Ich hätte nie gedacht, dass wir in Länder wie Iran oder Turkmenistan reisen würden. Als wir aber so viele Menschen trafen, die uns Persien als eines der schönsten Länder, das sie je bereisten, beschrieben und wir dem Iran immer näher kamen, änderten wir unsere ursprüngliche Route. Und das war die wohl eine der besten Entscheidungen bisher, auf dieser Reise. Also ja – die Dinge entwickeln sich definitiv anders!

Emma # Ich glaube, wir sind mit der Zeit wirklich viel entspannter geworden. Gerade wenn eine Grenzüberquerung in ein neues Land bevorsteht. Ich mache mir nicht mehr so viele Sorgen darum, wie wir uns verständigen werden, was wir essen sollen, wie wir reisen können…

Irgendwie klappt das immer und alles ergibt sich. Viele Hoffnungen haben sich sicherlich erfüllt bzw. wir wurden oft sogar noch positiv überrascht. Klar gab es auch Situationen, in denen ich mir etwas Sorgen gemacht habe, weil ich nicht wusste, was so auf uns zukommen wird.

Besonders als Frau habe ich mich in Ländern wie dem Iran oder auch in Indien anfangs etwas unsicher gefühlt, da ich keine Fehler machen wollte, z.B. indem ich mein Kopftuch nicht richtig trage. Aber man bekommt doch schnell ein Gefühl für das jeweilige Land und die Mentalität der Leute, sodass man nach einer Weile spürt, wie man sich wann verhalten sollte.

Man sollte einfach wachsam und aufmerksam sein, aber Angst muss man eigentlich nicht wirklich haben (es sei denn, man reist in wirkliche Krisenregionen). Auf jeden Fall gab es eigentlich in jedem Land immer Dinge, die wir uns anders vorgestellt hätten – manchmal besser oder schöner, manchmal schlechter. Aber mit der Zeit hört man auf, etwas Konkretes zu erwarten. Es wird ohnehin meist anders: anders als zu Hause, anders als in seinen Vorstellungen, auch anders als die Geschichten anderer Reisender…

Zwei auf Weltwegen im Zug

Emma & Elmi im ueberfuellten Zug auf der Gepaeckablage, Indien.

In Eurem ersten Reisejahr habt Ihr viele Länder bereist, die unter „deutschen Pauschaltouristen“ eher als fremdartig,  chaotisch oder sogar gefährlich gelten – welche Erfahrungen habt Ihr  z.B. im Iran oder aktuell in Indien gemacht?
Elmi # Chaotisch trifft sehr auf Indien zu. Aber nicht nur auf Indien. „Chaotisch“ im europäischen Sinne ist es eigentlich seit der Türkei. Gefährlich hätte es sicherlich auch an vielen Stellen werden können.

Als wir durch Istanbul reisten, war die Lage auf dem Taksim Platz immer noch unsicher, wir hörten von Studentenunruhen in Sofia, als wir durch Bulgarien reisten, in Rumänien protestierten Studenten gegen die Regierung. Die Proteste in der Ukraine begannen erst, nachdem wir in Kiew, auf der Krim und in Odessa waren, aber dennoch war es nicht lange, nachdem wir das Land verlassen hatten.

In Georgien standen die Präsidentschaftswahlen an, Armenien und Aserbaidschan streiten immer noch über die autonome Republik Berg-Karabach, im Iran protestieren viele junge Menschen gegen die Unterdrückung der religiösen Führer.

Man muss immer wachsam sein, egal wo man ist. Das gilt besonders dann, wenn viele Menschen um einen herum sind. Aber man darf auch nicht paranoid werden.

Wir hatten natürlich auch oft Glück. Wenige Tage, nachdem wir Kunming im Süden Chinas erst einmal verliessen, gab es am Bahnhof eine Messerstecherei, bei der es sehr viele Tote und Verletzte gab. So etwas kann man halt nicht beeinflussen.

Aber bisher hatten wir eigentlich nur wenige Gefahrensituationen. Einmal hatten wir ein bisschen „Bammel“, als uns die Polizei im Iran zum heiligen Feiertag „Ashura“ festnahm, weil wir Fotos und Videos der Prozession gemacht hatten. Sie dachten, wir wären Journalisten und verhörten uns bis tief in die Nacht. Es verlief am Ende alles glimpflich und wir mussten mit unserem Daumen-Abdruck bestätigen, dass wir nur Touristen sind.

Ansonsten  haben wir überall hauptsächlich Gutes erlebt. Im Iran haben wir sicher die herzlichsten Menschen getroffen, die höchste Form der Gastfreundschaft erlebt. In Georgien ebenfalls. Dieses kleine Land südlich des Kaukasus hat so viel zu bieten: Eine geniale Naturvielfalt, leckerste Speisen, schmackhaften Alkohol, alte Burgen, Schlösser und Klöster – ein Land voller Kultur.

In Armenien und Karabach erlebten wir einen goldenen Herbst. In Turkmenistan und Usbekistan kann man Diktaturen erleben und Geschichten hören, die man nicht für möglich halten würde, heutzutage, und die man sicher in keinem Geschichtsbuch bei uns findet! Kirgisistan ist eines der höchsten Länder, das wir besuchten, mit wunderschönen Bergen, Seen und einer bewundernswerten Landbevölkerung, die sowohl harte Winter als auch heisse Sommer durchlebt.

China hatte alles, war laut, voller künstlicher, blinkender Lichter, dreckig – ein Subkontinent. Im Westen Xinjiang spricht man nicht einmal Mandarin, die meisten Menschen, die dort leben, sind muslimische Uiguren. China präsentierte sich uns mit einem Dutzend verschiedener Gesichter.

Wir haben so viel gelernt, nicht nur was Geografie und Kultur angeht. Sogar ein paar Sprachfetzen konnten wir überall aufgreifen, etwas über die Landesgeschichte, Religion und die Bevölkerung lernen. Indien ist da natürlich auch ein wichtiges Land gewesen. Es scheint, vieles von dem, was wir bisher gelernt haben, zu vereinen.

Nachdem man in Indien war, ist einem, denke ich, nichts mehr zu „blöde“. Ich will nicht sagen, man hat alles erlebt: Aber man ist nach Indien wenigstens mit (fast) allen Wassern gewaschen, man ist endgültig „weltreisetauglich“!

Emma # Und ich finde es gerade spannend, Länder zu bereisen, in denen man eben nicht in jeder Stadt anderen Touristen begegnet. Meist waren es die Länder, die touristisch noch am „unerschlossensten“ waren, in denen wir die freundlichsten und interessantesten Menschen trafen.

Indien war mir da vielleicht sogar etwas zu überlaufen. Aber auch da ist sehr interessant zu beobachten, wie der „westliche Einfluss“ Land und Leute verändert. In allen wohl eher unüblichen Reiseländern gibt es jedenfalls eine Menge zu lernen und man wird mit wertvollen Erfahrungen beschenkt.

Zwei auf Weltwegen - Annapurna

Dlmi auf einer Wanderung im Annapurna Naturschutzgebiet, Nepal.

Hand auf Herz : Reisen mit wenig Geld „5,- Euro am Tag für jeden.“ – funktioniert das oder fällt es Euch eher schwer in diesem Budgetrahmen zu bleiben?
Elmi # Klar ist es schwer. Im Winter war es nahezu unmöglich. Aber es ist letztendlich auch nur ein Versuch der Selbstdisziplinierung. Je weniger wir täglich ausgeben, desto länger können wir reisen. Darauf kommt es an.

Natürlich sind 5,- Euro ein ziemlich strenger Rahmen. Es bedeutet, dass da keine Extras reinpassen. Und ich gebe zu, ich bin ein Geniesser, ein grosser Fan von Extras.

Wenn ich aber die Priorität auf den Genuss lege, toleriere ich, dass ich früher als geplant arbeiten gehen oder eher nach Hause zurückkehren muss. Das muss man sich halt jedes Mal überlegen, wenn man statt der Flasche Wasser einen Shake bestellt oder statt im Zelt zu schlafen ins Hotel geht.

Klar, da denkt man sich, auf die zwei, drei Euro mehr pro Tag kommt es nicht an. Aber multipliziere das mal mit 365. Das ist eine Menge Geld. Daher muss mir oft eingestehen, dass ich doch lieber auf Extras verzichte.

Und doch sind wir nicht dogmatisch. Diesen Budgetrahmen haben wir uns auch erst unterwegs gesetzt, da waren wir schon knapp vier Monate unterwegs.

Zusammenfassend kann man sagen, wir liegen in Indien im Schnitt knapp über 5,- Euro pro Kopf pro Tag, aber das liegt auch grösstenteils daran, dass wir

aufgrund der Bevölkerungsdichte und der Hitze nicht zelten können und da sich trampen hier sehr schwierig gestaltet.

Wenn man einen Nachtzug nimmt, spart man hier viel wichtige Zeit. Und „teuer“ ist es auch nicht. Aber es sind halt Ausgaben, die letztendlich das Budget übersteigen.

In Nepal werden wir dafür wieder ein bisschen „low“ fahren und selbst kochen, trampen und in der Natur übernachten. Ich sehne mich auch sehr danach, nachdem es in Indien eigentlich immer hektisch, städtisch und touristisch für uns war.

Mit guter Planung sind 5,- Euro pro Person definitiv möglich, und das nicht nur in Indien. Dazu sei aber gesagt, zu zweit reisen ist günstiger als alleine. Ich denke, als „Solo-Traveller“ sind fünf Euro schon eine harte Nuss.

Noch mehr Fragen an Zwei auf Weltwegen

Die anderen 8 Fragen mit weiteren ausführlichen Antworten von Emma & Elmi gibt es in der kommenden Woche – darin wird es u.a. um Ihre weiteren Pläne, ihre Erfahrungen beim „Wildcampen“ und Ihre Art mit wenig Geld zu reisen gehen.

Zusätzlich gibt es noch eine ganze Menge an Tipps von Emma & Elmi, die Dir sicherlich auch bei Deiner nächsten „großen“ Reise helfen werden…

Hier geht es zum 2.Teil des Interviews:

Um den zweiten Teil des Interviews und weitere spannende Reiseberichte, News und Bilder von unseren Reisen nicht zu verpassen, folge uns doch bei Facebook, Google+, Twitter und Instagram.

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6 Kommentare

  • afschin sagt:

    Hey Christian,

    wieder einmal ein wunderschöner Beitrag. Was mir bei deinen Beiträgen ausgesprochen gut gefällt, ist die Ganzheitlichkeit. es geht nicht nur um Reisen oder Reisetipps, es geht auch in die Tiefe.

    Als ein echter Perser :-)) freue ich mich sehr über solche Beiträge und positive berichte über mein Land. Die meisten Menschen kennen Iran aus den Medien, hier wird sehr viel negatives darüber berichtet. dabei sind die Iraner sehr offen und fortschrittlich, sie lieben fremde Menschen und Kulturen, vor allem die Deutschen.

    Herzliche Grüße
    Afschin

  • Kevin sagt:

    Endlich habe ich mir die Zeit genommen den ersten Teil des Interviews mal zu lesen. Was eine Schande das ich dies so lange vor mir her geschoben habe. Wie immer bei Artikeln und Geschichten über das Weltreisen bleibt mir fast die Sprache weg. Es ist schon eine harte Nuss wirklich von dem Alltag den man hier in der westlichen Welt hat loszusagen und das ganze anzugehen. Trotz aller Bedenken die sich mir immer und immer wieder in den Kopf schieben habe ich diesen Traum aber auch und werde ihn umsetzen. Allerdings nach dem abgeschlossenen Studium und einer reinen Arbeitszeit um das Budget für diese Reise überhaupt zusammen zu bekommen. Hier muss ich sagen das ich wahrscheinlich ein Typ wie Elmi bin. Ich gönne mir in den wenigen Urlauben die ich bis jetzt erlebt habe gerne mal ein sehr gutes Essen und bin bereit dafür auch zu zahlen. Diesen Luxus werde ich aber stark reduzieren müssen wenn ich diese Reise angehe. Sicherlich muss ich hier vorher eine Testreise machen um einfach zu schauen wie das läuft.
    Soweit erstmal danke für das tolle Interview, ich lese jetzt Teil 2!

  • Anni sagt:

    Ich bin die kleine weinenden Schwester von Elmi, die inzwischen 13 ist 🙂
    LG

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