Vom Meeresbiologen zum Tauchlehrer – Vom Labor zur Freiheit

Meeresbiologe - Tauchlehrer

Kannst Du ein wenig Inspiration gebrauchen – was Deinen eigenen Lebensweg angeht? Vielleicht fehlt es Dir auch ein wenig an Motivation, Deine eigenen Träume endlich Realität werden zu lassen? Ja…?

Genau deshalb gibt es hier auf feel4nature neben unseren eigenen Berichten und Tipps auch immer wieder interessante Gastartikel und Interviews von und mit Menschen, die es geschafft haben – geschafft haben Ihr Leben nach Ihren ganz eigenen Vorstellungen einzurichten und Ihren individuellen Lebensweg zu gehen.

Im heutigen Gastartikel erzählt Dir Meeresbiologe und Tauchlehrer Liko, wie er seine Leidenschaft zu seinem Beruf gemacht hat und warum er hoffnungslos vom „Meeresvirus“ infiziert ist.

Tauchlehrer Liko arbeitet mittlerweile mit seiner Lebensgefährtin auf einer kleinen Insel auf den Malediven – Reethi Beach im Baa Atoll. Neben seiner Arbeit als Tauchlehrer betreibt er mit seinem Team noch das Projekt Life&Dive, das an der Schnittstelle zwischen Tauchschulen, Tourismus und Schutz der Meere ansetzt und auf der er seine Leidenschaft für die Ozeane mit seinen Lesern teilt.

Für weitere Infos findest Du die Life&Dive Webseite – hier:

Und los geht’s mit Likos Gastartikel zu seinem bemerkenswerten Lebensweg.

Likos individueller Weg vom Meeresbiologen zum Tauchlehrer

Wusstest Du das Einsiedlerkrebse hochgradig ansteckend sind? Sie übertragen den Meeresvirus, eine lebensverändernde Passion für die Ozeane und seine Einwohner.

Schlimmer als jede Droge, führt dieses Virus dazu jede freie Minute im Meer verbringen zu wollen. Im Gegensatz zu anderen Drogen wirkt diese allerdings nicht tödlich, sondern lebensfördernd und fordernd. Nichtsdestotrotz, wird auch diese Drogen gerne geteilt, meistens beim Schnorcheln, oder noch besser beim Tauchen.

Und so war es auch bei mir…!

Mit sieben Jahren gab mir mein Vater meine erste Schnorchelausrüstung; damals noch aus rotem Gummi, welches lustige rote Ringe in mein Gesicht zauberte. Von da an verbrachte ich meine Urlaubstage im Wasser einer kleinen malerischen Bucht im Südwesten des Peloponnes und meine erste Entdeckung waren eben jene Einsiedlerkrebse.

Malediven - Manta Tauchen

Bei seinen Tauchgängen trifft Liko häufig auf majestätische Mantas. ©lifendive.com

Diese endlosen Schnorchelexkursionen sollten sich danach jeden Urlaub wiederholen. Nur die Sache mit dem Tauchen, habe ich damals irgendwie verpennt und das obwohl mein Vater als Taucher für den griechischen Staat arbeitete.

Die Jahre vergingen wie im Flug und obwohl ich neben Pilot und Künstler bestimmt noch hunderte andere Dinge in meinem Leben lernen wollte, fiel die Entscheidung hinterher doch recht schnell und eindeutig: Meeresbiologe.

Wegen eines nicht allzu berauschenden Abiturs wurde ich allerdings von der ZVS nicht wie erwünscht nach Kiel, Hamburg oder Rostock geschickt, sondern zunächst ins Binnenland nach Göttingen verbannt. Die Entscheidung traf mich mit einiger Wucht und mein Traum Meeresbiologe zu werden, geriet mächtig ins Schwanken.

Tauchen Malediven - Ammenhai

Auch die eher „trägen“ Ammenhaie findet man auf den Malediven häufig. ©lifendive.com

Letztlich führte sie aber nur zur Entdeckung von UNIS, einer winzig kleinen Universität auf Spitzbergen in der hohen Arktis. Das Archipel liegt vom Nordkap ziemlich genau auf halbem Weg zum Nordpol mitten in der Barentssee.

Während meines einjährigen Studiums der arktischen Biologie, welches auch arktische Meeresbiologie enthielt, habe ich dann endlich meinen ersten Tauchschein gemacht. Im Trocki bei -1,5°C Wassertemperatur gefrieren einem die Augäpfel, wenn der Instructor Dich bittet Deine Maske abzunehmen. Nach dem Kurs war ich trotzdem sehr traurig, dass er schon zu Ende war.

Mein weiteres Studium war die Aneinanderkettung von Highlights, vollgestopft mit interessanten Vorlesungen, charismatischen Wissenschaftlern, Seebären, Träumern und einem riesigen Haufen Wissen.

Die Meeresbiologie, zumal Ökologie, ist eine sehr komplexe Wissenschaft die Wissen in den unterschiedlichsten Bereichen voraussetzt. Angefangen von den biologischen Grundlagen in Botanik und Zoologie, Taxonomie und Evolution, über allgemein naturwissenschaftliche Grundlagen in Mathematik, Chemie und Physik, studierte ich auch experimentelles Design und Statistik, und eignete mir die Fähigkeiten zum Verfassen wissenschaftlicher Texte an.

Malediven - Blaustreifen Snapper

Unter Überhängen sammeln sich häufig kleinere Fischschwärme. ©lifendive.com

Letztlich fließen diese Grundlagen zusammen mit Wissen über den globalen Klimawandel, Strömungslehre und weiterer Seitenfächer in das Studium hochkomplexer Nahrungsnetze, Rekrutierungsmuster, Räuber-Beute-Beziehungen und den Einfluss des Menschen bei seinen Eingriffen ins Meer.

Unterm Strich, hat mich das Studium der Meeresbiologie mit einem ganzheitlichen Weltbild versehen. Ich sehe und verstehe die Welt biologisch. Alles ist miteinander verbunden. Jede Aktion bewirkt auch eine Reaktion und diese zieht wiederum Konsequenzen nach sich.

Dieses tiefe Verständnis der Welt ist einerseits sehr hilfreich und aufschlussreich, andererseits aber kann dieses Wissen um die Rücksichtslosigkeit menschlichen Handelns und seiner Konsequenzen, auch sehr deprimierend sein.

Und hier beginnt meine eigentliche Geschichte…

Die Meeresbiologie ist fraglos eine unglaublich umfassende und spannende Wissenschaft, die ihren Anhängern, Betreibern und Förderern große Zufriedenheit und immense Schätze offenbaren kann. Sie hat allerdings einen immensen Nachteil, der wissenschaftliche Alltag ist sterbenslangweilig.

Maldiven Manta

Die eleganten Mantas sind ein Highlight für jeden Taucher. ©lifendive.com

Hatte man während des Studiums noch romantische Vorstellungen vom abenteuerlichen Leben als Wissenschaftler an einsamen tropischen Stränden, kommt einem spätestens nach dem Abschluss die Erkenntnis, dass die eigentliche Arbeit im wesentlichen aus Büro- und Laborarbeit besteht. Feldarbeit wie man sie während des Studiums kennengelernt hat, ist nur ganz wenigen vergönnt,oder meist auf sehr kurze Zeiträume im Jahr beschränkt.

Dazu kommt noch eine oftmals mehr als schlechte Bezahlung. So habe ich einmal das ernstgemeinte Angebot einer britischen NGO gesehen, für ganze 1000 Pfund im Jahr auf Fidschi zu arbeiten. Zugegeben, einsame, abenteuerliche Strände hätte man dort mit Sicherheit gefunden und wahrscheinlich auch für den Rest seines Lebens genießen müssen, denn ein Rückflugticket hätte ich mir nicht leisten können.

Auf dem harten Boden der Realität aufgeschlagen, musste etwas anderes her. Ein Bürojob, auch ein wissenschaftlicher, kam nicht in Frage. Wenn ich schon nicht im Meer arbeiten konnte, so doch vielleicht wenigstens am Meer.

Die Gedanken schweiften von Umorientierung zum Off-Shore Windanlageninstallateur, über Bewerbungen als Fischereigutachter bei der Wasserpolizei. Ich hätte alles gemacht, so lange ich nur mein geliebtes Meer um die Nase bekäme.

Tauchen Malediven - Höhle

Überall auf den Malediven findet man unter Wasser kleine Höhlen und Überhänge. ©lifendive.com

Letztlich war es dann der Tod meines Vaters, der mich, um in der Nähe meiner Familie sein zu können, zur Ausbildung zum Divemaster in Griechenland brachte. Nach zirka 50 Bewerbungen bei Tauchschulen im ganzen Land und zwei fragwürdigen Angeboten aus Kreta, meldete sich eine Tauchschlule aus Rhodos mit einem konkreten Angebot: Arbeit als UW-Videokameramann über die Saison, mit anschließender Ausbildung zum Divemaster, für 750,- Euro im Monat.

Perfekt. Eine Email später hatte ich zugesagt und einen Monat später stand ich bei diesigem Wetter mit meinem Seesack in Rhodos am Hafen. Das roch schon sehr viel mehr nach der Freiheit, die ich mir für mein Leben gewünscht hatte.

Die folgende Saison war anstrengend, aber schön…

Neben der Tatsache, dass ich einen Großteil meiner Zeit unter Wasser verbringen durfte, lernte ich Teil der Dynamik eines eingespielten Teams zu sein. Jobs im Tourismus sind hart, aber sie führen in aller Regel zu einem sehr starken Zusammenhaltinnerhalb des Teams. Dieser Zusammenhalt wiederum entlädt sich dann gerne auf gemeinsamen Parties, Grillabenden, Discobesuchen und anderen, meist äußerst amüsanten Aktivitäten. Doch das schönste an der ganzen Sache ist immer noch die Tatsache, dass man diesem Leben an Orten nachgehen darf an den die Daheimgebliebenen ihren Urlaub verbringen. Während die einen Geld für zwei schöne Wochen im Jahr bezahlen, wird man als Tauchlehrer für jeden Tag Sonne genießen und Spaß haben, sogar noch bezahlt.

Der Sommer war schön, bewegt und endete dann doch eines Tages. Bevor ich jedoch meinen Divemaster in der Tasche hatte, hatten mir meine Kollegen bereits den nächsten Job gefunden, als Meeresbiologe und Divemaster auf den Malediven.

Obwohl ich damals eine Freundin hatte, konnte ich diesem Ruf nicht widerstehen.

Tauchen Malediven - Kaiserfisch

Kaiserfische zeigen sich häufig mit imposanten Farbgebungen. ©lifendive.com

Während meines Studiums hatte ich fast alle Arten von Meeren selbst kennenlernen dürfen. Über die eisbedeckten Meere des Nordpols, zur Nord- und Ostsee, über das Mittelmeer bis hin zum Auftriebsgebiet Perus, hatte ich alles gesehen, mit einer schmerzenden Ausnahme: Korallenriffe, der Traum eines jeden Tauchers und Meeresbiologen, die Regenwälder der Meere, Oasen in den unendlichen Weiten der Ozeane. Die Entscheidung viel auch trotz Freundin wieder schnell und schmerzlos.

Die ersten dreieinhalb Monate auf den Malediven waren schnell vorbei und wenn ich damals noch wegen besagter Freundin zurück gekehrt bin, lebe und arbeite ich mittlerweile wieder hier. Diesmal mit Freundin.

Wieder ist es ein Job an der Schnittstelle zwischen Tauchsport und Meeresbiologie. Die Position ermöglicht es mir meine Leidenschaft für das Meer und mein Wissen über seine Bewohner mit meinen liebsten Hobbies zu verbinden und gewinnbringend an meine Mitmenschen weiter zu geben.

Seestern - Attacke

Seestern – Attacke auf den Malediven. ©lifendive.com

Seit dem ersten Aufenthalt, habe ich mich außerdem zum Tauchlehrer ausbilden lassenDiese Arbeit birgt einen weiteren, unerschöpflichen Quell alltäglichen Glücks: die leuchtenden Augen Deiner Schüler nach jedem einzelnen Tauchgang. Darüber hinaus bietet sie mir die Möglichkeit meeresbegeisterten Menschen schon im frühsten Stadium den Respekt vor dem Meer beizubringen und sich für seinen Erhalt einzusetzen.

Heute ist mein Schreibtisch das Riff, und die bunten Papierstapel darauf bewegen sich ganz alleine von links nach rechts, und einen Stuhl brauche ich nicht. Ich schwebe.

Noch mehr über Tauchlehrer die sich Ihre Träume erfüllt haben

Erst einmal – Vielen Dank – an Tauchlehrer und Meeresbiologe Liko für diesen interessanten Einblick in seinen Werdegang. Wir wünschen Dir auch weiterhin eine tolle Zeit auf den Malediven und ein erfülltes Leben!

Wenn Du dich auch für die Arbeit als Tauchlehrer im Ausland interessierst, dann findest Du hier noch einige weitere Artikel und Interviews, in denen erfahrene Tauchlehrer und Taucher Ihr Wissen und ihre besten Tipps mit Dir teilen:

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