Unser Start auf den Appalachian Trail 2015

Appalachian Trail - Springer Mountain

Zero Day! Draußen verzieht sich an einem regnerischen Tag gerade der Frühnebel, während wir nach fünf Tagen draußen in der Wildnis des Appalachian Trail nun unseren ersten Ruhetag (Zero Day) in den Blood Mountain Cabins am Fuße des Blood Mountain einlegen.

Nach den ersten anspruchsvollen Steigungen die der Appalachian Trail in Georgia beinhaltet und dem wechselhaften Wetter der Anfangstage, haben wir uns einen Tag Ruhe zum trocknen der Ausrüstung und zum verarzten der ersten kleineren Blessuren verdient.

Appalachian Trail - Neel Gap

Der Mountain Crossings Outfitter in Neel Gap – erster Zwischenstop nach 5 Tagen Wildnis.

Die ersten Tage auf dem Appalachian Trail haben wir es relativ ruhig angehen lassen, sind täglich Etappen um die 8 Meilen (ca. 13 Kilometer) gelaufenund haben viele Pausen eingelegt um die Aussicht und die Natur um uns herum zu genießen – zudem haben wir uns vorgenommen uns zu Beginn des Appalachian Trail nicht zu überfordern, sondern uns langsam an die Belastungen zu gewöhnen.

Ankunft in Atlanta & Start auf den Appalachian Trail

Nachdem wir am Freitag Mittag mit Delta Airlines in Atlanta gelandet waren, ging es erst einmal reibungslos durch die Immigration der amerikanischen „Homeland Security“.

Nach dem Abholen der aufgegebenen Ausrüstung ging es weiter zur MARTA Station – einer Art S-Bahn, die sich quer durch Atlanta zieht – in Richtung North Springs, zu unserem vereinbarten Treffpunkt für den Transfer zum „Hiker Hostel“ nach Dahlonega.

Hiker Hostel - Treffpunkt

North Springs MARTA Station – Treffpunkt zum Transfer zum Hiker Hostel.

Wir erledigten vorher noch ein paar notwendige Einkäufe in Atlanta und bei unserer Ankunft an der North Springs MARTA Station trafen wir bereits auf weitere Appalachian Trail „thru hiker“ – darunter auch 3 weitere Deutsche – die mit uns auf ihren Transfer zum „Hiker Hostel“ warteten.

Als wir am Abend endlich im „Hiker Hostel“ eintrafen, blieb noch Zeit für ein kurzes Abendessen und einen letzen Check unserer Ausrüstung für den Appalachian Trail – danach legten wir uns früh schlafen um am nächsten Morgen möglichst ausgeruht auf den „Approach Trail“ hinauf zum Springer Mountain (dem offiziellen Startpunkt des Appalachian Trail) zu starten.

Der Approach Trail hinauf zum Springer Mountain

Nach einem kurzen Frühstück ging es dann am nächsten Morgen endlich los zum Amicalola State Park, wo wir uns noch im offiziellen Appalachian Trail Register als Fernwanderer registrierten und ein wenig mit anderen „thru hikern“ unterhielten.

Viel später als ursprünglich geplant starteten wir dann endlich um 11 Uhr auf den Approach Trail – nach ein paar hundert Metern gilt es erst einmal 604 Stufen hinauf zum Ursprung der Amicalola Wasserfälle zu überwinden, bevor es dann hinein in die dichten Wälder in Richtung Springer Mountain geht.

Appalachian Trail Approach Trail

Auf geht’s nur noch etwas über 2.100 Meilen bis nach Maine.

Der Approach Trail führt auf 8,8 Meilen gleich von 1.800 auf fast 3.800 Fuss hinauf zum Springer Mountain und bietet mit zahlreichen anspruchsvollen Auf- & Abstiegen gleich einen Vorgeschmack auf den weiteren Verlauf des Appalachian Trail in Georgia.

Obwohl wir es wie gesagt sehr langsam angehen lassen wollten, erreichten wir bereits am frühen Nachmittag den Gipfel des Springer Mountain und damit auch den ersten „White Blaze“ (Markierungen des Appalachian Trail) – den offiziellen Startpunkt des ca. 3.500 Kilometer langen Appalachian Trail.

Amicalola Falls

Über 600 Stufen geht’s hinauf zu den Amicalola Falls.

Auch wenn die Zeit noch gereicht hätte und hinunter zum nächsten Shelter (Schutzhütte) zu wandern beschlossen wir den Abend mit anderen Appalachian Trail Wanderern auf dem Springer Mountain ausklingen zu lassen und unser Zelt am dortigen Shelter aufzuschlagen.

Die ersten 32 Meilen auf dem Appalachian Trail – Springer Mountain bis Neel Gap

Am kommenden Morgen begrüssten uns die Appalachen mit einem diesigen und verregneten Tag, als wir gegen 8 Uhr am Morgen aus unserem Zelt auf dem Springer Mountain kletterten. Nach einem kurzen Frühstück machten wir uns im Regen auf zu unserem Tagesziel dem ca. 8 Meilen entfernten Hawk Mountain Shelter, den wir am frühen Nachmittag bereits erreichten.

Auch die Nacht war ziemlich verregnet, so dass unsere Ausrüstung am nächsten Morgen ganz klamm war – als wir uns auf zum nächsten Tagesziel dem Gooch Mountain Shelter machten.

Amicalola Falls Ursprung

Oben an den Amicalola Falls angekommen geht es erst richtig los mit dem Approach Trail.

Den ganzen Morgen hatten wir uns noch bei einer heißen „Swiss Miss“ (Trinkschokolade) mit einem jungen deutschen Appalachian Trail Wanderer unterhalten, der bereits nach einem Tag seine Wanderung abbrechen wollte.

Erst einmal hatte er sich nach unserem Gespräch entschieden, noch ein paar Tage auf dem Appalachian Trail zu bleiben – um auszuprobieren ob er sich an die Belastungen auf dem Trail gewöhnen kann – doch im Laufe des Tages änderte er leider seine Meinung und gab endgültig auf.

Appalachian Trail - Gooch Mountain Shelter

Unsere guten Schlafsäcke trocknen am Gosch Mountain Shelter.

Für uns endete der Tag wie geplant nach einem steilen Aufstieg über den „Sassafras Mountain“ und „Justus Mountain“ am Gooch Mountain Shelter, wo wir am Abend noch Gelegenheit hatten unsere klammen Schlafsäcke zum trocknen aufzuhängen.

Trail Magic! Am nächsten Morgen trafen wir nach wenigen Meilen an Gooch Gap auf Miss Janet, die wir schon 2013 kennengelernt haben. Für die müden Appalachian Trail Wanderer gab es Fruit Loops und Softdrinks zur Stärkung.

Trail Magic in Neels Gap

Nochmal Trail Magic, diesmal in Neels Gap – ein leckeres Abendessen.

Am frühen Abend erreichten wir nach einer Etappe mit tollen Aussichtspunkten die Lance Creek Campsite, wo wir die nächste Nacht verbrachten und für den nächsten Tag stand die anstrengende Etappe über den Blood Mountain auf dem Plan – über Georgias höchsten Gipfel.

Gegen Mitternacht wurden wir auf einmal von einem unglaublichen Lärm aus dem Schlaf gerissen, anscheinend flogen einige Militärmaschinen eines benachbarten Stützpunktes Manöver über die Campsite. Nach diesem Schreck war an Schlaf für uns nicht mehr zu denken, so dass wir uns bereits bei Beginn der Morgendämmerung um 7 Uhr auf unsere letzte Appalachian Trail Etappe vor Neel Gap machten.

Blood Mountain Cabins - Squirrel

Unsere kleine Hütte in den Blood Mountain Cabins.

Die nur knapp 8 Meilen lange Appalachian Trail Etappe über den Blood Mountain führt fast 5 Meilen ausschliesslich bergauf und wird im Anschluss von einem mehr als 2 Meilen langen halsbrecherischen Abstieg gekrönt – der noch etwas schwieriger wurde, da es den ganzen Tag immer wieder regnete.

Doch trotz einiger Pausen und einem sehr vorsichtigen Abstieg vom Blood Mountain erreichten wir bereits kurz nach 12 Uhr Neel Gap und den dort beherbergten Outdoorshop – Mountain Crossings – an dem wir uns erst einmal mit einer Dose Softdrinks, Sandwiches und Schokoriegeln für die Anstrengungen der zurückliegenden Etappen belohnten.

Blood Mountain Cabins - Rezeption

Die Rezeption der Blood Mountain Cabins – ein typisch amerikanischer „Kramladen“.

Erster Zero Day in Neel Gap und unsere weitere Appalachian Trail Planung

Da für den nächsten Tag und die darauf folgende Nacht starke Gewitter und Sturm angesagt sind, haben wir uns nun für 2 Tage ein „Häuschen“ in den Blood Mountain Cabins gebucht – welches wir mit einem älteren deutschen Ehepaar teilen, die auch den kompletten Appalachian Trail laufen wollen.

Blood Mountain Cabins - Fluss

Mitten durch die Blood Mountain Cabins – fliesst ein malerischer kleiner Bach.

Auch wenn wir es auf den ersten Etappen auf dem Appalachian Trail haben ruhig angehen lassen, so haben wir doch trotzdem ein wenig mit Muskelkater und schweren Beinen zu kämpfen gehabt – der Körper muss sich wohl erst an die täglichen Belastungen und das dauerhafte Tragen des Rucksacks wieder gewöhnen.

Der heutige Ruhetag gibt uns daher die Möglichkeit in Ruhe ein wenig zu regenerieren und unsere Vorräte mit dem spärlichen und ziemlich teuren Angebot des Mountain Crossings Outdoorshops für die nächsten Tage aufzufüllen.

Appalachian Trail - Mountain Crossings

Der Outfitter Mountain Crossings in Neel Gap – sehr gut auf At Wanderer eingestellt.

Wenn es am nächsten Morgen zurück auf den Appalachian Trail geht, wollen wir uns ein wenig steigern was die Etappenlänge betrifft und täglich zwischen 10 und 12 Meilen laufen, so dass wir binnen 4 Tagesetappen eine Straßenkreuzung nach Hiawassee erreichen – einer kleinen Stadt in der es einen größeren Supermarkt gibt um unsere Vorräte aufzufüllen.

Die Temperaturen sollen zwar für die nächsten Tage etwas kälter werden, aber erst einmal soll es zumindest trocken bleiben – wäre zumindest sehr schön, wenn das so stimmt.

Noch mehr zu unserer Wanderung auf dem Appalachian Trail

Mittlerweile sind wir nach einigen Regentagen und Gewittern bereits in Hiawassee angekommen und morgen geht’s über die Landesgrenze nach North Carolina – einen ausführlichen Bericht über die letzten Tage mit weiteren Bildern gibt’s dann bei unserem nächsten Zwischenstopp.

Den aktuellen Stand und noch mehr Bilder, Videos und News zu unserer Wanderung auf dem Appalachian Trail findest Du auf unseren Seiten bei den sozialen Netzwerken – bei Facebook, YouTube, Instagram, Google+, Twitter und Pinterest. Wenn Du dich fragst was wir auf einer so langen Wanderung alles dabei haben, dann schau doch hier mal in unsere Appalachian Trail Packliste

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8 Kommentare

  • Alex sagt:

    Wenn ich eure AT-Berichte lesen bekomme ich richtig Lust dieses Abenteuer selbst mal in Angriff zu nehmen. Besonders bei diesen tollen Bildern!

    Hoffentlich bessert sich das Wetter. Euch noch weiterhin ganz viel Erfolg!

    LG Alex

    • Christian sagt:

      Hallo Alex,

      schön, dass Dich unsere Berichte anspornen selbst einmal den AT zu laufen – wir sind gerade in Franklin angekommen und kaufen die nötigsten Dinge für die nächsten Tage ein. 😉 Hier unten im Tal ist das Wetter ganz angenehm, aber oben in den Bergen hatten wir die letzten Tage immer wieder leichten Regen und dichten Nebel.

      Beste Grüße, Christian

  • Uli sagt:

    Hej Christian,
    Hatte Dir ja schon an anderer Stelle einen Kommentar hinterlassen. Also ich nehme virtuell gerne an Eurer Wanderung teil, das bereitet ja auch etwas vor. Wünsche Euch für die nächsten Tage gutes Wetter und kein Wasser von oben. Wie ist das eigentlich mit den Punkten wo Wanderer oder die Leute die am Trail etwas hinterlassen? Ich meine gibt es nicht auch Wanderer die sich gerade auf so etwas verlassen um ja kein Geld ausgeben zu müßen?. Oder wird man auf dem Trail anders als man es in unserer Welt wäre und nimmt Rücksicht?

    Viele Grüße aus Berlin

    Uli

    • Christian sagt:

      Hallo Uli,

      danke Dir…! Was meinst Du genau…Trail Magic? Falls ja – darauf kann man sich nicht verlassen und es wird wohl auch immer weniger, da die Anzahl der Wanderer so stark ansteigt.

      Beste Grüße, Christian

  • Sabrina sagt:

    Das ist ja mal ein richtiges Abenteuer. Total spannend euch dabei zu „begleiten“!

  • ingo reuter sagt:

    Freue mich auf den Weg

    • Christian sagt:

      Hallo Ingo,

      gehst Du 2016 auf den Appalachian Trail…? Wir sind ja 2015 dort gewesen und bereits wieder zurück… 😉

      Beste Grüße, Christian

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