Unser Outdoor Erste Hilfe Spickzettel für Wandern & Trekking

Outdoor Erste Hilfe Spickzettel

Was wäre wenn? Wenn Du weit weg von der Zivilisation auf einer Wanderung unterwegs bist und der Ernstfall eintritt. Du oder Dein Weggefährte auf Outdoor Erste Hilfe Maßnahmen angewiesen seid. Wenn einmal kein Krankenhaus oder irgendwelche anderweitige Hilfe in direkter Nähe ist und es vor Allem darum geht, die richtigen Entscheidungen in kürzester Zeit zu treffen, da Deine Gesundheit oder die Deines Wanderpartners davon abhängt.

Bist Du dafür bereit…? Wahrscheinlich geht’s Dir da so wie den meisten von uns…

Du hast irgendwann in geraumer Vorzeit schon einmal einen Erste Hilfe Kurs besucht oder Dich sogar bereits detailliert mit den passenden Erste Hilfe Maßnahmen für einsame Wanderungen und Trekking-Touren weit draußen in der Natur beschäftigt – doch all das was Du darüber einmal gelernt hast, ist mittlerweile mehr oder weniger hinter einem grauen Schleier begraben, richtig?

Als examinierte Krankenschwester mit Zusatzausbildung für außerklinische Heimbeatmung und Outdoor-Enthusiastin , die selbst viel und gern weit Abseits der Touristenpfade in der Natur unterwegs ist, will ich Dir hier in diesem Artikel einen kleinen Spickzettel und meine besten Tipps zur Outdoor Erste Hilfe mit auf den Weg geben – damit Dir im Ernstfall, weder Angst, noch Unsicherheit im Wege stehen Erste Hilfe zu leisten.

Dazu habe ich Dir hier einmal die gängigsten Verletzungen und Gefahren zusammengestellt, die beim Wandern oder Trekking auf Dich zukommen können, und Dir dazu gleich die richtigen Verhaltensweisen bzw. die richtige Art der Erstversorgung beschrieben – so hast Du immer alle wichtigen Informationen zur Ersten Hilfe im Outdoor-Bereich jederzeit als Spickzettel griffbereit, wenn Du diesen Artikel speicherst oder ausdruckst.

Grundlegende Tipps & Gedanken zur Outdoor Ersten Hilfe

Ob es nun einen Fremden, Deinen Weggefährten oder Dich selbst betrifft, das Wichtigste ist überhaupt zu helfen und zu reagieren. Jeder hat Angst etwas falsches zu tun, aber falsch ist es im Ernstfall nur, gar nichts zu tun!

Daher möchte ich Dir auch wirklich ans Herz legen von Zeit zu Zeit einen Auffrischungskurs in Erster Hilfe zu besuchen, denn „Übung macht schliesslich den Meister“ und Du bist dann im Ernstfall einfach sicher was genau zu tun ist und vor allem sicherer darin, die vorherrschende Situation richtig einzuschätzen.

Erste Hilfe Wandern Gruppe

Wenn Du in einer Gruppe zum Wandern unterwegs bist, informiere Dich über deine Mitwanderer.

Bevor es für Dich auf die nächste Wander- oder Trekkingtour geht, solltest du nicht nur dein Erste Hilfe Set auf Vollständigkeit und das Haltbarkeitsdatum prüfen, sondern vorab auch alle wichtigen Informationen zum Gebiet einholen – wie etwa notwendige Telefonnummern für eine Rettungskette vor Ort oder wo und in welcher Stadt sich Ärzte und Krankenhäuser befinden.

In besonders entlegenen Gebietet stellt sich auch die Frage, ob es vielleicht spezielle „Shuttle Services“ gibt, die Dich an bestimmten Wegpunkten Deiner Wanderung einsammeln könnten? Nur für den Fall, dass unterwegs einmal etwas ungeplantes passiert…

Bist Du mit einem Weggefährten unterwegs, dann sei Dir über seine gesundheitliche Verfassung im Klaren. Also ganz konkret; leidet er an einer chronischen Erkrankung und ist deshalb vielleicht auf Dauermedikamente angewiesen? Ist er z.B. Diabetiker und braucht Insulin, dann besprecht genau was in einem Notfall zu tun ist und wo Du seine Medikamente findest.

Eine kleine Auffrischung in akuter Erstversorgung

Eine detaillierte Beschreibung zur Erstversorgung spar ich mir an dieser Stelle, das würde hier in diesem Outdoor Erste Hilfe Spickzettel einfach den Rahmen sprengen. Tritt aber unterwegs doch einmal der Ernstfall ein und Du kommst in die Situation, jemand leblos oder bewusstlos vorzufinden, so gebe ich Dir hier noch einmal die wichtigsten Schritte für die akute Erstversorgung mit auf den Weg:

01. Ruhe bewahren & Eigenschutz

Der erste ist wohl auch gleich der schwerste Punkt bei der Erstversorgung, denn im Ernstfall steigt doch sofort Panik in einem auf, oder…? Sofort überschlagen sich Deine Gedanken und die Angst machst sich breit. Aber auch wenn es Dir in dieser Situation schwer fällt …, du musst einfach cool bleiben!

„Stoppe, verschaffe dir einen Eindruck und denke nach“

Verschaffe Dir einen Überblick über die Situation. Was ist passiert? Was ist mit der betroffenen Person, reagiert diese noch? Wie sieht Dein Umfeld aus, befindest Du dich oder die zu versorgende Person in einer Gefahrenzone z.B. Feuer oder in einem Gebiet in welchem Steinschlag droht.

Der Eigenschutz ist immer besonders wichtig, denn Du bist womöglich der einzige Mensch welcher der verletzten bzw. erkrankten Person helfen kann. Niemand verlangt das Du bei Erste Hilfe Maßnahmen dein eigenes Leben riskierst, also achte bei allen Tätigkeiten vor allem auch auf Dich und Deine Sicherheit!

02. Schutz des Verletzten

Wenn nötig und möglich schaffe ein sicheres Umfeld! Droht zum Beispiel etwas auf die Person herabzustürzen (z.B. durch Steinschlag oder einen Erdrutsch) oder liegt die Person zu nahe an einem Abgrund, dann versuche die Person möglichst rasch aus der Gefahrenzone zu bekommen.

Jedoch solltest Du hier beachten, dass zum Beispiel nach einem Sturz aus grösserer Höhe eine Fraktur der Wirbelsäule oder auch innere Verletzungen vorhanden sein können. Die Person in diesem Fall zu bewegen, könnte die Situation nur noch verschlimmern.

Sicherlich eine schwierige Situation – aber in solch einem Fall musst Du einfach selbst die Risiken abwägen und nach bestem Gewissen und Deiner Intuition handeln.

03. Notruf absetzten

Setzte wenn möglich einen Notruf ab und gib alle Informationen über das Geschehene und eurer aktuelle Position an den Rettungsdienst weiter. Oder bist Du womöglich nicht allein, dann schicke andere Personen los um Hilfe zu holen, wenn dies aus eurer gegenwärtigen Position möglich ist.

Auch laut nach Hilfe rufen kann nicht schaden…, vielleicht ist ja jemand in der Nähe, hört Deinen Hilferuf und kann Dich bei der Erstversorgung unterstützen.

04. Herz-Lungen-Wiederbelebung

Nachdem Du dir einen Überblick verschafft hast, die betroffene Person nicht reagiert und Du feststellst das diese nicht atmet und keinen Puls hat, hast Du keine Wahl – starte dann unverzüglich mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung.

30x Herzmassage und anschließend 2x Beatmen ist zur Zeit der aktuelle Stand.

Lege die Person dazu flach auf den Rücken und überstrecke den Kopf leicht nach hinten, damit die Atemwege frei sind und deine Atemspende auch bis in die Lungen gelangen kann.

Knie Dich neben die Person in Höhe des Brustkorbs und lege den Handballen auf das untere Drittel des Brustbeins, lege danach deine andere Hand auf die Hand die bereits auf dem Brustkorb ruht und starte mit gestreckten Armen und mit Hilfe deines Körpergewichtes die Herzmassage – 30 Stöße, dann 2 Beatmungen und wieder von vorn.

05. Stabile Seitenlage

Hast Du eine bewusstlose Person, mit vorhandener Atmung und Puls (evtl. nach erfolgreicher Herz-Lungen-Wiederbelebung), so bringe sie in die stabile Seitenlage. Knie Dich hierfür, seitlich neben dem Betroffenen der auf dem Rücken liegt und strecke seine Beine gerade aus.

Greife Dir den nahen Arm, Winkel ihn an und lege ihn nach oben, wobei die Handinnenfläche nach oben zeigen sollte.

Greife nun den fernen Arm am Handgelenk und Winkel ihn an. Lege den Arm nun so auf den Brustkorb ab, das Du die Hand bzw. den Handrücken an die Wange des Betroffenen legen kannst und lasse den Arm nicht los.

Nun Winkel das ferne Bein des Betroffenen an und ziehe ihn so zu Dir auf die Seite. Richte nun das oben liegende Bein so aus, das der Oberschenkel im rechten Winkel zur Hüfte liegt. Anschliessend neigst du den Kopf des Bewusstlosen leicht nach hinten und öffnest den Mund, damit die Atemwege frei sind.

Jetzt kannst du diese Person mit einer Decke, deinem Schlafsack oder etwas anderem zudecken um ihn vor Unterkühlung zu schützen.

06. Allgemeine Maßnahmen

Halte die Person warm oder schütze sie vor Sonne, Wind und Regen. Ist die Person ansprechbar, so versuche sie zu beruhigen, starte ein Gespräch und sammle möglichst viele Informationen wie z.B. Kontaktdaten, Ereignisse, Erkrankungen, Symptome, Allergien und Medikamente.

Untersuche die Person, taste nach dem Puls, beobachte ihre Atmung und inspiziere ihren Körper – siehst du Blutungen, Abschürfungen oder abnorme Haltung von Extremitäten?

Erste Hilfe Trekking Einsamkeit

Beim Trekking in einsamen Gebieten ist es besonders wichtig, dass Du Erste Hilfe leisten kannst.

Das kleine 1×1 der Wundversorgung

Für eine gute Wundversorgung empfehle ich Dir bei Trekking & Wandertouren immer ein grundlegendes Erste Hilfe Set mitzunehmen. Solch ein Outdoor Erste Hilfe Set kannst du individuell auf Deine Bedürfnisse, Unternehmungen und die Personenanzahl mit denen Du unterwegs bist anpassen.

Wie solch ein Erste Hilfe Set für unsere Outdoor Aktivitäten und Reisen bei uns aussieht – kannst du in diesem Artikel auf unserem Blog nachlesen:

Das grösste Problem bei jeder Art von Wunden ist die Infektionsgefahr und je nach Ausmass der Wunde natürlich auch der Blutverlust. Also sind deine ersten Massnahmen immer – Blutung stillen, Wunde gut reinigen und möglichst Keimarm verbinden.

Im Folgenden habe ich Dir einmal die gängigsten Wunden aufgelistet, die es bei der Outdoor Ersten Hilfe bei Dir selbst oder anderen Personen zu versorgen gilt:

Schürfwunde

Eine Schürfwunde entsteht durch Scherkräfte. Hierbei ist die obere Hautschicht geschädigt und es zeigt sich eine kleinere Blutung oder Einblutung. Bei solch einer einfachen Schürfwunde reicht ein Reinigen der Wunde mit Trinkwasser oder Hautdesinfektionsmittel um Schmutzpartikel wie Dreck und kleine Steine zu entfernen.

Anschliessend solltest du die Schürfwunde mit einem ausreichend großen Pflaster abdecken, um sie vor weiterem Schmutz und Stofffasern zu schützen.

Platz-  & Schnittwunden

Platz- und Schnittwunden sind Wunden mit relativ glatten Wundrändern, hervorgerufen durch Stumpfe Gewalt oder einem scharfen Gegenstand, mit Blutung (je nach Tiefe der Wunde). Auch hierbei gilt es, die Wunde erst einmal penibel zu reinigen und desinfizieren.

Daraufhin solltest Du versuchen die Wunde zusammenziehen und die Wundränder mit Wundnahtstreifen (Steristrips) zu verschliessen und anschliessend mit einer sterilen Kompresse und einer Mullbinde oder, je nach Lage der Wunde, mit Verbandspflaster wie z.B. Fixomull abzudecken.

Eine Blutung kann unter anderem mit Druck auf die Wunde und Kühlen gestoppt werden. Wir selbst benutzen zur Stillung von Blutungen beim Trekking und Wandern seit einiger Zeit ein blutstillendes Mittel auf pflanzlicher Basis mit dem Namen Starsil.

Einen ausführlichen Artikel zu unseren Erfahrungen mit Starsil in der Outdoor Erste Hilfe und warum wir es auf jeder unserer Touren dabei haben – findest Du hier:

Ein kleiner Tipp hierzu für Dich: Da ein Kühlschrank in der Natur ja in der Regel nicht greifbar ist, fülle einfach einen Latexhandschuh (der in keinem Erste Hilfe Set fehlen sollte) mit kaltem Wasser und verknote ihn – so kannst du die Wunde effektiv kühlen.

Kälte sorgt dafür, dass die Gefässe sich verengen und der Blutfluss sich somit verlangsamt. Du solltest die Wunde sauber und trocken halten und auf Infektionszeichen achten (Rötung, Schwellung, Schmerz, Erwärmung).

Je nach Grösse und Tiefe der Wunde, solltest Du oder die verletzte Person natürlich alsbald einen Arzt auf die Wunde schauen lassen.

Stichwunden

Stichwunden werden durch Messer oder andere spitze Gegenstände verursacht. Die grösste Verletzungsgefahr hierbei besteht in der Tiefe (z.B durch innere Blutungen) und ein hohes Infektionsrisiko durch Keime. Deshalb solltest Du bei einer tiefen Stichwunde wirklich nur eine Erstversorgung durchführen und dann schleunigst dafür sorgen, dass Du einen Arzt oder ein Krankenhaus für Dich oder die betroffene Person findest.

Steckt der Fremdkörper noch, solltest Du diesen keinesfalls entfernen..!!!

Der Fremdkörper könnte grössere Blutgefässe abdecken und somit grossen Blutverlust vermeiden. Polstere stattdessen die Wunde gut ab (mit Kompressen oder Textilien) und stabilisiere sie.

Bei stark blutenden Wunden, halte das blutende Körperteil (wenn es Arme oder Beine betrifft) hoch und zwar über Herzniveau.

Drücke oder Binde zuführende große Gefässe ab. Beim Abbinden solltest du darauf achten, das du den Druck alle paar Minuten lockerst um ein Absterben der Extremität zu vermeiden.

In jedem Fall solltest Du einen Druckverband anlegen um die Wunde zu verschließen. Als Wundauflage kannst du unter anderem ein Taschentuch oder Textilien verwenden (Hauptsache sauber) im Bestfall hast Du Kompressen griffbereit. Diese Auflage fixierst du mit einer Binde, auf die du ein Druckpolster (Verbandspäckchen, Stein, paar Socken o.ä) legst.

Und nicht vergessen: Einen Druckverband solltest Du immer möglichst feste anlegen…!!!

Bisswunden

Eine Bisswunde ist eine stark Keimbelastete Wunde und birgt somit natürlich auch ein hohes Infektionsrisiko. Daher solltest Du die Wunde zuerst einmal sehr gut reinigen, ggfs. die Blutung stillen und die Wunde dann nur abdecken – keinesfalls solltest du eine Bisswunde mit Wundnahtstreifen verschliessen.

Eine Bisswunde solltest Du stets gut beobachten und auf jegliche Infektionszeichen wie Rötung, Schwellung, Erwärmung und Schmerz achten.

Bei Outdoor Touren in entlegenen Gebieten, ohne zeitnahe Kontaktmöglichkeit zu einem Arzt oder Krankenhaus, solltest Du bei den ersten Anzeichen einer Infektion ein Breitband Antibiotikum einnehmen bzw. verabreichen und natürlich ein Arzt aufsuchen und ggfs. die Tollwutimpfung auffrischen, sobald Dir dieses möglich ist.

Quetschwunden

Herbeigeführt werden Quetschwunden durch starke Gewalteinwirkung von zwei Seiten, z.B. wenn Dir ein schwerer Stein auf die Finger oder den Fuss rutscht. In der Regel geht solch eine Wunde mit einem deutlich sichtbaren Bluterguss, Schmerzen und einer Schwellung einher.

Bei einer Quetschwunde solltest Du daher vor allem beobachten ob eventuell ein Knochen in Mitleidenschaft gezogen wurde (auf Frakturen speziell gehen ich gleich noch ein), ansonsten gilt – ruhigstellen, hochlagern und wenn möglich kühlen.

Blasen

Wenn Du viel zu Fuss unterwegs bist, dann sind dir Blasen an den Füssen sicherlich ein Begriff. Viel gibt’s dazu auch nicht zu sagen, denn bei Blasen gilt immer vorbeugen, vorbeugen und nochmal vorbeugen – zum Beispiel durch passende Schuhe und die richtigen Socken.

Einen ausführlichen Artikel zum Thema Outdoor-Schuhe und worauf Du beim Kauf achten solltest – findest Du hier:

Prinzipiell gilt aber: Eine Blase solltest Du nicht öffnen, da sonst auch hierbei eine große Infektionsgefahr besteht. Polstere die Blase lieber ab und versuche weitere Reibung zu vermeiden.

Solltest Du die Blase doch öffnen wollen, weil sie zu viel Druck ausübt oder schmerzt, dann mach dies unter möglichst sterilen Bedingungen ( z.B. mit einer Nadel die du zuvor unter Feuer desinfiziert hast) und reinige die offene Blase im Anschluss gut.

Ein spezielles Blasenpflaster mit Polsterung hilft beim Abheilen und schützt die betroffene Stelle vor weiterer Reibung auf Deiner Wanderung.

Outdoor Erste Hilfe Blasen

Bei Blasen auf Wanderungen hilft in erster Linie gute Vorbeugung.

Umgang mit Prellungen

Bei einer Prellung, Zerrung oder Verrenkung handelst Du am besten immer nach dem PECH-SchemaPause/Eis/Compression/Hochlagern.

Pause:

Unterbreche deine Outdoor-Aktivitäten.

Eis & Kühlen:

Kühle die betroffene Stelle für mindestens 15-20 Minuten. Denke hierbei an meinen Tipp mit dem Latexhandschuh oder halte die betroffene Extremität ins Wasser, falls sich ein kühles Gewässer in der Nähe befindet.

Compression:

Bandagiere das betroffene Gelenk mit einer elastischen Binde.

Hochlagern & Ruhigstellen:

Lagere die betroffene Extremität hoch und stelle sie ruhig, das hilft beim abschwellen.

Sollten die Schmerzen dennoch nach einer Stunde nicht schwächer werden, Du oder die verletzte Person nicht mehr auftreten können, starke Bewegungseinschränkung im Gelenk bestehen oder das Gelenk massiv anschwellen, so ist auch hier ein baldiger Arztbesuch unumgänglich.

Richtige Versorgung von Frakturen

Es gibt viele Arten von Frakturen, aber „irgendwo“ in der Natur solltest Du vor allem zwischen zwei grundsätzlichen Arten unterscheiden – die geschlossene und die offene Fraktur. Wobei ich mich hier auf Frakturen der Gliedmaßen beziehe.

Eine geschlossene Fraktur erkennst Du im schlimmsten Fall durch eine Fehlstellung der betroffenen Extremität und eine offene Fraktur zeigt sich eben dadurch, das der gebrochenen Knochen durch die Weichteile (Muskeln, Haut etc.) nach aussen dringt.

Natürlich gibt es Möglichkeiten einen Bruch bei Dir selbst oder anderen betroffenen Personen zu richten, aber bitte nehme Abstand von dieser Idee – die Gefahr weitere Gefässe und auch Nerven zu schädigen ist dabei sehr gross!

Lege deinen Fokus, sowohl bei einer geschlossenen Fraktur als auch bei einer offenen Fraktur, lieber aufs Schienen, Abpolstern und Abtransportieren.

Hierbei gilt als FaustregelSchiene auch die benachbarten Gelenke mit, also zum Beispiel bei einer Schienbeinfraktur, auch Knie- und Sprunggelenk. Zum Schienen der betroffenen Stelle eignen sich unter anderem Trekkingstöcke, Äste und Baumrinde. Zum Polstern kannst Du Mullbinden, T-Shirts oder auch Tücher einsetzen.

Sollte der Arm oder das Handgelenk gebrochen sein, so versuche diese möglichst nahe am Brustkorb und leicht nach oben zu fixieren ( z.B. mit einem Tuch als Armschlinge), so ist das Gelenk gut fixiert und das Anheben hilft auch gleich beim Abschwellen der betroffenen Gliedmaßen.

Hast Du den Verdacht, dass die Wirbelsäule verletzt ist, so bewege die betroffene Person nach Möglichkeit nicht und hole umgehend Hilfe. Ähnliches gilt bei einer Oberschenkelhals-Fraktur – diese zeigt sich meist dadurch, dass das betroffene Bein kürzer ist als das andere und der Fuss deutlich nach Aussen zeigt. Auch hierbei hast Du nur die Möglichkeit möglichst schnell Hilfe zu holen oder auf Hilfe zu warten, falls Du selbst der Betroffene bist.

Maßnahmen bei Unterkühlung, Hitzeerschöpfung und Diarrhöe

Neben den typischen Verletzungen und Wunden, die in der Regel durch Unfälle während Deiner Outdoor Abenteuer entstehen, gibt’s natürlich auch noch andere Situationen in denen es nötig sein kann Erste Hilfe zu leisten.

Unterkühlung

Droht Dir oder einer anderen Person eine Unterkühlung, so starte mit einer allgemeinen Wärmezufuhr. Baue Dein Zelt auf, dies schütz vor Wind und auch vor Kälte. Eine Isomatte hält den kalten Boden von Dir fern.

Tausche feuchte Kleidung gegen trockene aus und nutze eine Mütze oder Kapuze, denn einen Grossteil unserer Körperwärme verlieren wir über den Kopf.

Lege die Hände unter die Achseln oder zwischen die Oberschenkel und packe die Füsse warm ein. Eine Rettungsdecke aus deinem Erste Hilfe Set oder ein Biwaksack sorgen für den Aufbau von Körperwärme. Hast Du beides nicht zur Hand eignet sich natürlich auch Dein Schlafsack.

Gib der betroffenen Person warme und gezuckerte Getränke, diese wärmen von Innen und liefern dem Körper noch zusätzliche Energie. Alkohol ist übrigens bei einer Unterkühlung ein absolutes Tabu, denn dieser gibt Dir nur kurz das Gefühl von Wärme, zehrt aber in Wirklichkeit deinen Körper weiter aus, da er die Blutgefässe erweitert.

Hitzeerschöpfung

Eine Hitzeerschöpfung, auch als Sonnenstich bekannt, erkennst Du an Symptomen wie blasser, feuchter und kühler Haut, Schwindel, Übelkeit, schweren Kopfschmerzen oder auch Benommenheit der betroffenen Person.

Suche sofort Schatten auf und entferne warme und oder enge Kleidung bei Dir selbst oder der betroffenen Person. Achte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr und die Aufnahme von Mineralien und Elektrolyten durch Getränke wie Saftschorle, Brühe, Mineralwasser oder auch Kräutertee – hast Du diese Getränke gerade nicht parat, so kannst du auch 3El Zucker und 2El Salz auf 1 Liter Wasser auflösen.

Lege dich flach auf den Boden und ruhe Dich aus, bzw. fordere die betroffene Person mit einem Sonnenstich dazu auf. Positioniere dabei die Beine leicht erhöht (lege z.B deinen Rucksack unter die Beine) und achte bei anderen Personen auf die Bewusstseinslage (Ansprechbarkeit, Atmung, Puls).

Diarrhöe (Durchfall) und Erbrechen

Einen Magen-Darm Infekt hat man sich zum Beispiel durch verunreinigtes Wasser in der freien Natur leider sehr schnell zugezogen. Dies ist an sich nicht weiter schlimm, doch für den Körper recht anstrengend, weshalb Du dafür sorgen solltest das die betroffene Person sich ausruht bzw. Du dich nicht überanstrengst, falls Du selbst der Betroffene bist.

Leidet eine andere Person unter Erbrechen und Durchfall, so spreche mit ihr und finde heraus was sie in letzter Zeit gegessen und getrunken hat.

Hat sie oder Du dich selbst an Nahrung aus der Natur versucht (Kräuter, Beeren und Pilze), bedenke das hier auch eine akute Vergiftung vorliegen könnte und Du so eventuell schnellstmöglich Hilfe rufen bzw. aufsuchen solltest.

Notiere Dir hierzu alles, wie Datum und Uhrzeit und was die betroffene Person zu sich genommen haben könnte damit ein Arzt dann zügig reagieren kann.

Ansonsten spielt auch hier der Flüssigkeitshaushalt und der damit einhergehende Elektrolytverlust eine entscheidende Rolle. Trinke daher ausreichend in kleinen Schlücken und verzichte vorerst auf die Nahrungszufuhr bzw. leite die betroffene Person dazu an.

Du kannst auch Kohle (denke hierbei an das verbrannte Holz deines Lagerfeuers oder habe Kohletabletten in deinem Erste Hilfe Set parat) in Wasser bröseln und die erkrankte Person davon trinken lassen – das hilft dem Körper Giftstoffe zu binden und sie rasch auszuscheiden.

Tritt eine Besserung ein (nach 24 Std.), kannst Du wieder mit leicht verdaulicher Nahrung starten und schauen wie Du oder die betroffene Person diese verträgt.

Erste Hilfe Spickzettel Zecken

Gerade in Gebieten mit vielen Gräsern, sind Zecken besonders häufig unterwegs.

Zeckenbiß

Der Zeckenbiß ist hier als letztes erwähnt, jedoch auf Deinen Trekking Touren und Wanderungen wahrscheinlich das häufigste Problem – auch wenn Du dich durch deine Kleidung schützt, so finden die kleinen Biester häufig doch einen Weg hindurch zur Haut.

Du solltest die Zecke auf jeden Fall mit einer Pinzette, Zeckenschlinge oder einer Zeckenkarte entfernen. Dabei musst Du unbedingt darauf achten, das auch der Kopf der Zecke vollständig entfernt wird – ziehe die Zecke also möglichst gerade heraus, ohne Gewackel und drehen.

Markiere anschließend am Besten mit einem Stift die betroffene Stelle und beobachte sie in den kommenden Stunden – sollte eine Rötung entstehen, muss der Betroffene bzw. Du selbst dringend einen Arzt aufsuchen.

Noch mehr Outdoor Tipps, Spickzettel und Packlisten

Wie Du sicherlich merkst ist das Thema Erste Hilfe sehr komplex und speziell im Outdoorbereich gibt’s unendlich viele brenzlige Situationen und Gefahren, die Du nicht immer vorhersehen und kontrollieren kannst.

Ziel dieses Artikels war es aber auch nicht Dir vorzumachen, Du könntest jede noch so heikle Situation in den Griff bekommen und selbst lösen, sondern vielmehr Dir hier einen kleinen Spickzettel für dein nächstes Outdoor-Abenteuer mit auf den Weg zu geben, der es Dir zumindest ermöglicht in den wichtigsten und häufigsten Outdoor-Situationen Hilfe zu leisten.

Zudem ist es mir wichtig, Dich für dieses Thema zu sensibilisieren und Dir ein wenig Sicherheit mit auf den Weg zu geben, damit Du und deine eventuellen Weggefährten bestens gewappnet seid und Eure Wander- & Trekkingtouren so richtig geniessen könnt und ich hoffe das ist mir mit diesem Artikel gelungen.

Solltest Du dennoch spezielle Fragen haben oder hattest Du vielleicht schon einmal eine für dich brenzliche Situation, bei der Du dich im Nachhinein fragst ob dein Handeln so richtig war, freue ich mich über einen Kommentar unter diesem Artikel und kann versuchen Dir vielleicht noch weitere Ratschläge und Tipps als ausgebildete Krankenschwester mit auf den Weg zu geben.

Als Vollzeitreisende sind wir das gesamte Jahr vorwiegend auf Outdoor- und Aktivreisen in abgelegen Gebieten unterwegs und daher findest Du hier auf unserem feel4nature Blog auch ständige aktuelle Artikel mit unseren besten Outdoor-, Reise- und Camping Tipps & Tricks – wie z.B. diesen hier:

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