Leben & Tauchen auf Bali – 10 Fragen an Oliver Radosav

Leben auf Bali

Bist Du schonmal in Indoniesen gewesen? Vielleicht sogar auf Bali? Hast dort die einsamen Strände genossen, die mystische Kultur – die alten Tempel – erkundet und das grüne Hinterland erforscht? Ein kleines Paradies, oder?

Vielleicht hast Du dich dann auch gefragt wie es wohl wäre dort zu leben, was Du tun müsstest um für immer in diesem Paradies zu bleiben? Dorthin auszuwandern und sesshaft zu werden, wo andere Menschen ihren Urlaub verbringen.

Egal ob in Bali oder in einem anderen der vielen Paradiese dieser Welt – der Gedanke unser altes Leben hinter uns zu lassen und einfach für immer im Paradies zu bleiben, der ist uns allen wohl schonmal gekommen. Doch nur wenige wagen den Schritt,ja viele halten es sogar für unmöglich.

Daher soll heute hier auf feel4nature mal wieder jemand zu Wort kommen, der es geschafft hat! Jemand der bereits seit einigen Jahren auf Bali lebt und dort sogar erfolgreich eine eigene Tauchschule eröffnet hat…

Leben, Arbeiten & Tauchen auf Bali

Oliver Radosav ist Tauchlehrer und hat etliche Jahre an den schönsten Orten der Welt gearbeitet. Vor einigen Jahren hat er sich dann im paradiesischen Bali niedergelassen und in dem kleinen Örtchen Amed im Norden der Insel eine eigene Tauchschule eröffnet.

Alle Infos zu Olivers Tauchschule – „No Fear Diving“ – findest Du hier :

Neben den „normalen“ PADI Tauchkursen, wie dem PADI Open Water Diver, bietet Oliver auch spezielle, von PADI lizensierte Kurse zur Bekämpfung von Ängsten unter Wasser. Als ausgebildeter Ergotherapeut hat er so einen ganz speziellen Weg gefunden seinen ursprünglich erlernten Beruf mit seiner Leidenschaft – dem Tauchen – zu verknüpfen.

Im Folgenden hat sich Oliver 10 Fragen von feel4nature zu seiner Arbeit und dem Leben auf Bali gestellt – die Dir vielleicht als Inspiration dienen können um Deinen eigenen Traum zu erfüllen…

Los Geht’s…

Interview mit Bali Auswanderer Oliver Radosav

Was fasziniert Dich an der Unterwasserwelt bzw. am Tauchsport, dass Du es zu Deinem Beruf gemacht hast?
Es gibt viele faszinierende Aspekte beim Tauchsport. Für mich ist es die Liebe zum Ozean, neue Dinge zu entdecken, Abenteuer zu erleben & frei zu sein. Am Tauchen selbst faszinieren mich glasklares warmes Wasser, starke Strömungen und die großen Meeresbewohner wie z.B. Mantas , Haie und Wale.

Ein andere Aspekt des Sporttauchens für mich ist es, Tauchen zu unterrichten. Ich habe mich darauf spezialisiert Anfänger und besonders ängstliche Menschen zu unterrichten. Ich liebe es Menschen die Unterwasserwelt zu eröffnen und mein Wissen und meine Fähigkeiten an meine Tauchschüler zu vermittlen. Zu sehen wie meine Studenten „wachsen“ und zu wissen, dass ich zu ihrer Entwicklung als Taucher beitrage macht mich sehr glücklich. 

No Fear Diving

Abtauchen mit Oliver von No Fear Diving

Wie lange tauchst Du schon und wo hast Du als Tauchlehrer gearbeitet bevor Du dich Selbständig gemacht hast?
Meinen PADI Open Water Diver habe ich Anfang der 90ger in Tobago gemacht. Vor nahezu 5 Jahren habe ich mich entschlossen das Sporttauchen zu meinem Beruf zu machen und es mit meinem Beruf als Ergotherapeut zu kombinieren.

Ich bin viele Jahre als Freelancer durch Asien gereist und habe viele Länder besucht. Ich liebe die Vielseitigkeit in diesem Beruf,das Reisen und die damit verbundene Abenteuer.

Auf den Malediven mit sehr wohlhabenden Klienten und hohen Ansprüchen zu arbeiten war eine tolle Erfahrung, genauso wie in entspannten  „Laid-Back“ Tauchschulen auf den Philippinen oder in Thailand.

Mein aufregendster und herausforderndster Job war es Cruise-Direktor auf einem Liveaboard in Komodo & Raja Ampat in Indonesien zu sein. Speziell Komodo ist eines der strömungsreichsten Gebiete der Welt mit einer atemberaubenden Vielfalt der Unterwasserwelt.

Das Boot in solchen Gewässern sicher zu navigieren sowie Klienten in stärkste Strömungen führen  und  sie auch wieder sicher zurück an die Oberfläche zu bringen, stellt eine hohe Herausforderung dar. Dies ist nur in einem gutem Teamwork mit der Crew des Cruise-Bootes möglich. Mann muss sich aufeinender verlassen können auch wenn Sprachbarrieren vorherrschen.

Die soziokulturellen Aspekte in verschiedenen Ländern sowie die Spiritualität von unterschiedlichen Regionen in der Welt kennenzulernen, waren und sind sehr faszinierend für mich. Mich hat es immer interessiert über den Tellerrand zu schauen und zu sehen wie Menschen in anderen Kulturen, in anderen politischen Systemen und Religionen das Leben sehen, erleben und meistern.

Mittlerweile betreibst Du eine eigene Tauchschule auf Bali. Wieso hast Du Dich letzten Endes gerade für Bali als Deine neue Heimat entschieden?
Gerade die Menschen hier in Bali leben in einer Hochkultur die sehr lebendig ist. Balinesen sind Ästeten und sie lieben schöne Dinge sowie ich selbst auch. Ihre hinduistischen Zeremonien sind im Alltag allgegenwärtig , wunderschön und auch für „Fremde“ erlebbar. 

Die Menschen sind gerade in den ländlichen Regionen, wie in meinem Fischerdorf „Amed“ noch sehr authentisch und relativ unverbraucht durch den Tourismus und den Konsum der westlichen Welt.

Doch der wichtigste Aspekt war natürlich das Tauchen. Bali liegt in mitten eines der Gebiete mit der höchsten Biodiversität(biologischen Vielfalt) im Meer überhaupt. Ein anderer Grund ist das nahezu alle Tauchplätze hier „Shore-Dives“ sind und somit vom Strand aus erreichbar, ohne Boot. Es sind nur einige Schritte ins Meer und schon ist man in einer anderen Welt voller Schönheit und Faszination.

Trotz mehrerer 1000 Tauchgänge die ich bereits absolviert habe, kann ich aufgrund der Artenvielfalt hier in Bali jeden Tag neue Lebewesen mit meinen Studenten entdecken.  Es wird nie Langweilig.

Du bist ja schon einige Jahre in Südostasien unterwegs – was waren für Dich die Gründe Deutschland komplett den Rücken zu kehren?
Die Gründe waren sehr vielseitig. Obwohl ich durch meinen Job als Ergotherapeut sehr ausgefüllt war hat mir doch etwas gefehlt. Ich habe erkannt das Geld nicht alles ist im Leben und das man die schönsten Dinge im Leben nicht mit Geld kaufen kann.

Mann muss sie erleben…!

Ich wollte dies tun solange ich noch jung bzw. fit bin. Auf meine Rente zu warten und mir möglichst viel Geld „zusammenzuraffen“ damit ich mir meine Träume erfüllen kann erschien mir unsinnig. Einer meiner besten  Freunde ist sehr jung gestorben. Sein Tod hat mir aufgezeigt das man seinen Träumen folgen und sie leben sollte im „Hier & Jetzt“, da das Leben schneller vorbei sein kann als man denkt und hofft.

Oliver No Fear Diving

Oliver liebt das Meer und geniesst sein Leben auf Bali.

Neben „normalen“ Tauchkursen bietest Du ein spezielles „No Fear Diving“ Specialty an , das von PADI lizenziert sind – was ist das genau und für wen ist dieser Kurs gedacht?
Auf meiner Reise als Scuba Instructor in Asien ist mir aufgefallen das Menschen häufig, große & teilweise irrationale Ängste im Zusammenhang mit Tauchen hatten. Da ich auch staatlich anerkannter Ergotherapeut und im Umgang mit ängstlichen bzw. paranoiden Menschen geschult bin, wollte ich einen PADI Spezial Kurs für ängstliche Menschen entwickeln.

Nicht dass jeder ängstliche Mensch einen solchen Kurs brauchen würde. Ängste sind durchaus in einem gewissen Rahmen normal. Das Wasser ist eine neue Umgebung für die Tauchschüler in der sie sich erst zurecht finden müssen. Viele Emotionen und Eindrücke prasseln auf die Schüler ein, die verarbeitet werden müssen.

Neben viel Spaß und Freude treten bei den Tauchschülern gelegentlich Ängste auf die sich auch in Panik steigern können, speziell wenn Schüler denken die Kontrolle zu verlieren.

Der PADI Open Water Diver Kurs bereitet die Schüler auf kritische Situationen vor und ermöglicht ihnen so Probleme die unter Wasser auftreten können zu meistern. Die Open Water Lizenz als Führerschein für den Taucher. Meist realisieren die Schüler recht schnell, dass eine gute Ausbildung Ängste reduzieren bzw., eliminieren kann. Bei einigen Menschen sitzen aus vielen Gründen die Ängste viel tiefer als bei anderen und bedürfen besonderer Aufmerksamkeit.

Da nahezu alle Tauchkurse standardisiert sind, bieten sie meist wenig Raum um das Thema Angst zu bearbeite das dieses meist sehr individuell ist. Aus diesem Grunde habe ich No Fear Diving entwickelt. Es ist ein „Klienten-Zentrierter“ Tauchkurs in dem die Ängste des Schülers im Mittelpunkt sehen.

Es hat 2 Jahre gedauert den Kurs zu entwickeln und noch mal 1 Jahr um ihn von PADI Lizenziert zu bekommen. Aus einer Idee wurde ein Tauchkurs und nun auch eine Individuelle Tauchschule an einem der schönsten Platze der Welt …in Amed Bali…

Der No Fear Diving Kurs wird meist von Tauchern gebucht die Tauchunfälle hatten und diese bearbeiten möchten um wieder angstfrei Tauchen zu können. Auch amerikanische Soldaten die als Kampftaucher traumatisierende Erlebnisse unter Wasser hatten nutzen den Kurs oder ein anderes therapeutisches Konzept das ich entwickelt habe namens – DIFFERENT-THERAPY.com.

Das Tauchen birgt viele therapeutische und pädagogische Aspekte um Therapieansätze für psychische und motorische „Krankheiten“ zu schaffen… 

Klienten können mehr über ihre persönlichen Grenzen erfahren und Sie sich über diese erheben. Ängste können überwunden werden durch gesteigertes Wissen, durch professionelle Supervision und durch die Erfahrungen, die diese mit Different-Therapy.com sammeln .

Gesteigerte Courage, Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen werden durch maßvolle Herausforderungen, die an die Taucher gerichtet werden gesteigert.

Motorische und geistige Fähigkeiten des Körper werden durch dosierte An- und Entspannung während des Tauchens entwickelt, sowie koordinative Fähigkeiten die durch Bewegung im schwerelosen Raum geschult werden. Klienten lernen Verantwortung für sich selbst und für Ihren Tauchpartner zu übernehmen und vieles mehr.

Im Bezug auf die Bürokratie, war es da schwer eine eigene Tauchschule auf Bali zu eröffnen und wie schaut es auf Bali mit der Behördenwillkür aus?
Ich denke es ist in Bali wie überall in Asien. „Money makes the world go round“ ist der Slogan. Es gibt viele bürokratische und soziokulturelle Hürden zu überwinden. Das wichtigste hier in Asien ist ein langer Atem und niemals die Geduld zu verlieren auch wenn es manchmal viel Kraft kostet. Nettigkeit & Großzügigkeit sind der Schlüssel zu den Herzen der Balinesen.
Was würdest Du jemandem Raten der auch als Tauchlehrer nach Bali auswandern möchte – hast Du ein paar Tipps?
Ja hab ich… Das wichtigste und schwerste ist es vertrauensvolle lokale Partner zu finden. Ohne sie geht nichts, es sei den man hat viel Geld. Was mir weiterhin unumgänglich erscheint ist, das man seine Partner und Angestellten ein Stück weit am Erfolg beteiligt. Es ist wichtig das alle happy  und gut versorgt sind.

Ein gutes Karma ist wichtig hier, gesetzt dem Motto “What comes around goes around“. Wenn du nett und loyal zu den Menschen bist werden sie auch nett und loyal zu dir sein. Wenn du alles für dich haben willst, wirst du am Ende nichts haben.

Wenn Du Dein Leben in Bali mit dem in Deutschland vergleichst, wo siehst Du die größten Unterschiede, Vorteile oder auch Nachteile?
Hier in Bali habe ich niemals das Gefühl zu arbeiten. Das war in Deutschland anders. Ich bin hier mein eigener Herr und verbringe meine Tage meist mit netten und interessanten Menschen aus aller Welt. Ich fühle mich frei und ungezwungen.

Die balinesische Kultur war anfangs nicht einfach zu verstehen doch das Prinzip der Gesellschaft beruht, anders als bei uns in Deutschland, auf Zwischenmenschlichkeit. Es ist wichtig sozial eingebunden zu sein und anderen Manchen in Not zu helfen.

Sich den Respekt und die Anerkennung der Balinesen zu verdienen ist essentiell. Dorfrecht geht hier über Landesrecht – das heißt, das die Gesetze hier nicht für alle gleich sind wie im Gegensatz bei uns Deutschland. In meinem Dorf sind Dinge OK… die in einem anderen Dorf nicht Ok sind. Die Stämme haben ihre eigenen Gesetze die es zu kennen und zu respektieren gilt.

Ich habe den Eindruck, dass sich hier in Bali die Menschen um sich selbst kümmern, wo hingegen in Deutschland meist der Staat diese Aufgabe übernimmt.

No Fear Diving Center

Das No Fear Diving Center in Amed – Bali.

Gehst Du auch privat noch gerne Tauchen oder ist das Tauchen mittlerweile nur noch ein Job für Dich?
Tauchen ist meine tiefe Liebe und Passion. An dem Tag an dem dem Ich spüre das es nur noch ein Job ist werde ich es sein lassen. Ich gehe nahezu an jedem freien Tag tauchen und ich genieße es zusehends alleine zu Tauchen. Ich habe dafür einige Spezialkurse absolviert um mich alleine sicher unter Wasser fühlen zu können. Das Tauchen hat dann meditativen Charakter für mich.

In meinem Job achte ich immer fürsorglich auf die Menschen die ich Unterwasser begleite, doch wenn ich alleine Tauche liegt mein Focus bei mir selbst. Ich fühle mich dann der Welt entrückt und der Natur nahe.

In meinem Dorf in Amed gehe ich auch gerne mit lokalen Fischerleuten Apnoe Sperrfischen. Gelegentlich fliege ich Freunde in Komodo besuchen. Dort ist für mich das Königreich des Tauchens. Ich bin immer froh dort Tauchen gehen zu können. In den starken Strömungen, dem glasklares Wasser und mit den großen Fischen fühle ich mich wie im Disneyland für Taucher. Abenteuer & Adrenalin pur…

Warum muss man als Taucher unbedingt mal zum Tauchen auf Bali gewesen sein? Was darf man nicht verpassen und welche sind die schönsten Tauchspots?
Wie bereits angesprochen zählt Bali zu den artenreichsten Gebieten der Welt. Es ist vor allem berühmt für seine Artenvielfalt im Makrobereich. Ich nenne es die „Under Water Freak Show“. Es ist nicht einfach diese Lebewesen zu finden da sie meist hervorragend getarnt sind. Man braucht eine gute selektive Wahrnehmung um sie überhaupt zu entdecken. Die Riffe in unserer Umgebung sind sehr gesund und auch von der Flora her sehr Vielfältig.

Es gibt z.B. Gorgonien (Seefächer) in allen erdenklichen Farben. Nahe gelegen und sehr beliebt ist auch das berühmte USS Liberty Wrack in Tulamben.  Ein amerikanisches 130 Meter Kriegsschiff das im 2 Weltkrieg unter Torpedo Feuer der Japaner gesunken ist. Das Wrack ist sehr zugänglich und wirklich faszinierend da es über und über mit Korallen überwuchert ist. Nicht weit entfernt in Nusa Lembongan kann man mit Mantas tauchen.

Dort ist es auch möglich saisonal mit Mola-Molas (Mondfischen) zu tauchen. Auch in Amed kann man diese faszinierenden Kreaturen gelegentlich begegnen.

Noch mehr zum Leben auf Bali & Co.

Erst einmal – Vielen Dank – Oliver, dass Du dich meinen Fragen gestellt hast. Ich hoffe sehr, dass das Interview für alle feel4nature Leser ähnlich inspirierend ist wie für mich. Wenn Du mal in Bali bist, dann schau doch mal zum Tauchen bei Oliver in Amen vorbei.

Hat Dir dieser Artikel gefallen? Dann teile ihn doch mit Deinen Freunden auf den Sozialen Netzwerken. Wenn Du keinen feel4nature Artikel mehr verpassen möchtest, dann folge uns doch auch auf unseren Seiten bei Facebook, Google+, Twitter und Instagram – hier gibt’s auch jede Menge Bilder, Videos & aktuelle News von unseren Reisen.

Trage Dich in unseren Newsletter ein

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.