Ein aussergewöhnliches Everglades Abenteuer – zu Fuss ins Alligatorenloch

Tour durch die Everglades

Für jeden Besucher des „Sunshine State“ Florida gehört ein Besuch im Everglades Nationalpark zum absoluten Pflichtprogramm. Allerdings besteht dieser häufig nur aus einer Durchfahrt der Everglades mit dem Auto oder Touristenbus und einer anschliessenden Bootstour mit den bekannten „Air Boats“ (Propellerbooten) durch den südlichsten Teil des Parks. Wie immer bei solchen Angeboten für „Pauschaltouristen“ verpasst man dabei den eigentlichen Reiz der Natur und schädigt diese leider auch noch nachhaltig.

Auch unsere Reise nach Florida, auf die Florida Keys, führte uns natürlich in den Everglades Nationalpark. Doch wie immer auf unseren Touren wollten wir die Natur intensiver erleben, einen wirklichen (wenn auch kurzen) Einblick in das einzigartige Ökosystem der Everglades gewinnen und so machten wir uns auf die Suche nach einem passenden Guide bzw. Anbieter.

Fündig wurden wir bei „Garl’s Coastal Kayaking„, einem kleinen Anbieter für individuelle Wander- und Kayaktouren durch den Everglades Nationalpark und in die Region der Florida Bay – bei dem wir einen „full day“ Trip buchten.

Was man über den Everglades Nationalpark wissen sollte!

Die Everglades sind ein weltweit einzigartiges Ökosystem und erstrecken sich über mehr als 6000 km² vom Lake Okeechobee bis hinunter in die Südspitze des Staates Florida. Dabei sind durch den Everglades Nationalpark bedauerlicherweise gerade einmal 20% der eigentlichen Everglades Fläche – also ein kleiner Bereich des südlichen Teiles – tatsächlich geschützt.

Trotz der allgemeinen Bekanntheit der Everglades wissen viele Menschen nicht, dass es sich bei dem Sumpfgebiet im eigentlichen Sinne um einen sehr breiten und langsam fliessenden Fluss handelt – denn das Süsswasser welches die Everglades so wertvoll macht fliesst mit einer Geschwindigkeit von ca. 1 Meter pro Stunde vom Norden hinunter in den Golf von Mexiko und in die Florida Bay. Ganz besonders dabei ist vor allem die Tatsache, dass dieser Fluss ausschliesslich in den Sommermonaten Wasser führt, im Winter ist er ausgetrocknet. Allerdings beherbergen die Everglades eine ganz besondere Pflanzenwelt, welche (vereinfacht ausgedrückt) in der Lage ist das lebensnotwendige Wasser über die trockenen Wintermonate zu speichern. Dies geht sogar soweit, dass in diesem „gespeicherten“ Wasser kleine Fische und Amphibien die Trockenzeit überleben können.

Bedauerlicherweise ist das Ökosystem der Everglades durch viele Faktoren extrem bedroht – auch wenn die amerikanische Regierung seit einigen Jahren versucht zumindest die größten Probleme verstärkt in den Griff zu bekommen. Bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts haben erste Baumassnahmen zur Bewässerung der umliegenden Städte und landwirtschaftlichen Flächen die Everglades nachhaltig geschädigt. Bis heute ist dieser Kampf um Land und Wasser rund um die Everglades ein aktuelles Thema, da Metropolen wie das angrenzende Miami immer weiter wachsen und genau wie die industrielle Landwirtschaft einen ständig steigenden Wasserverbrauch aufweisen.

Die immer dichtere Besiedlung und stetig wachsende Bevölkerung des „Sunshine State“ Florida bringt zudem noch weitere schwerwiegende Probleme für das sensible Ökosystem der Everglades mit sich. Eines der gravierendsten ist dabei die Einschleppung exotischer Tierarten wie z.B. der Tigerpython.

Wahrscheinlich gedankenlos von ihren Besitzer ausgesetzt, vermehrte sich der Tigerpython seit den 1980er Jahren explosionsartig und dezimierte die Zahl der kleinen Raubtiere wie z.B. Waschbären und Opossums um bis zu 90%. Eine Ausrottung des Tigerpython zur Wiederherstellung des ökologischen Gleichgewichts halten viele Biologen rund um die Everglades für nahezu ausgeschlossen und die weiteren Folgen für kaum einschätzbar.

Unsere Everglades Tour mit Garl’s Coastal Kayaking

Bereits früh am Morgen wurden wir von unserem persönlichen Guide, Ron – einem sympathischen Biologen, in der Nähe unseres Ferienhauses in Key Largo abgeholt und von dort ging es mit einem großen Van und einem Anhänger voller Kayaks auf in Richtung Everglades nach Homestead, Florida City.

Bevor wir den eigentlichen Everglades Nationalpark erreichten machten wir noch einen Zwischenstopp bei einem lokalen Obst- und Gemüsehändler, Robert is here! – ein echter Geheimtipp. Hier deckten wir uns mit frischem Ost (welches direkt von den anliegenden Plantagen kommt) für den Tag in den Everglades ein, genehmigten uns noch einen frisch zubereiteten Obstshake und probierten noch einige exotische Früchte vor Ort – gepaart mit aussergewöhnlich herzlichem amerikanischen Service.

Robert is here! Obst- und Gemüseladen

Freundlicher Service bei Roberts is here! ©Anne & Oli Hornung

Nur wenige Milen später erreichten wir den Parkeingang und eines der Visitor Center des Everglades Nationalparks, wo wir erst einmal unser Schuhwerk gegen Neoprenschuhe eintauschten – es sollte sich noch herausstellen wofür das gut war. Und schon konnte es endlich richtig losgehen mit unserem kleinen Everglades Abenteuer.

Der Weg durch die Everglades und die ersten „Baby“ Alligatoren

Schon nach den ersten Minuten auf der einzig ausgebauten Strasse, die quer durch die Everglades führt, waren wir von der aussergewöhnlichen Grasslandschaft vollkommen fasziniert. Kurz darauf folgte auch schon der erste Stop mit einer kurzen Wanderung zu unserem ersten Alligator dieser Everglades Tour – der allerdings rasch in einem Wasserrohr das Weite suchte.

Viel interessanter war aber die etwas versteckter gelegene „Kinderstube“ voller Baby-Alligatoren die gerade einmal zwischen 20 und 50 Zentimeter groß waren, von der wir uns nur sehr schwer wieder losreissen konnten. Hier konnten wir die Alligatoren der Everglades in Miniaturausgabe in alle Ruhe beim Sonnenbaden und jagen von kleinen Insekten im Wasser beobachten, während uns unser Guide viele interessante Details über das Aufwachsen der Alligatoren in den Everglades erzählte.

Everglades Wanderung – zu Fuss durch die Alligatorenlöcher

Der nächste Stop mitten in der Wildnis der Everglades bot uns dann bereits die nächste Möglichkeit einen ausgewachsenen Alligator von über 2 Meter Länge, der direkt am Strassenrand friedlich im Grass lag, zu beobachten und zu fotografieren. Dabei war es besonders faszinierend wie nah man den Tieren kommen konnte – doch das sollte noch lange nicht alles gewesen sein.

Nachdem der große Alligator langsam im tiefen Grass verschwunden war, spazierten wir auf der anderen Seite einige Meter weiter die Strasse entlang, bevor Ron (unser Guide) kurzer Hand links ins knietiefe Wasser abbog. Im ersten Moment waren wir wohl alle ziemlich überrascht und es hat Anfangs einiges an Überwindung gekostet ihm zu folgen – hatten wir doch nur einige Meter entfernt gerade noch den großen Alligator beobachtet wie er in ebensolch ein Wasserloch verschwand.

Auch der freundliche Hinweis unseres Everglades Guides, dass wir nun zu Fuss in das ca. 500 Meter entfernt liegende Alligatorenloch wandern, verbesserte die Situation nicht gerade.

Everglades Wanderung

Auf in die Heimat der Alligatoren. ©Eduard Pauli

Doch wir wollten ja etwas individuelles machen, die Natur hautnah erleben – also hüpften wir einer nach dem anderen in das Wasserloch und folgen unserem Guide quer durch die Everglades. Während wir zu Beginn alle noch etwas nervös das Wasser und unser Umfeld beobachteten wurden wir mit der Zeit immer entspannter und folgten den interessanten Erklärungen, zu Flora und Fauna der Everglades, unseres Guides.

Augenscheinlich bewegten wir uns Stück für Stück auf eine Art Hügel zu, welcher aus der Sumpflandschaft hervorstach. So freuten wir uns kurzweilig, dass wir bald wieder mit unseren Füssen im Trockenen stehen würden – doch das sollte sich rasch als grobe Fehleinschätzung herausstellen!

Wanderung zum Alligatorenloch

Wanderung zum Alligatorenloch ©Anne & Oli Hornung

Schon einige Meter bevor wir den „Hügel“ erreichten wurde das Wasser immer tiefer, so dass wir schon bald fast bis zur Hüfte im Wasser standen und klar wurde, dass es hier keine Erhebung gab. Tatsächlich sind die Alligatorenlöcher nämlich tiefere Wasseransammlungen innerhalb der Everglades in denen die Pflanzen und Bäume besser gedeihen und daher höher wachsen, als auf der umliegende Grasslandschaft. So sieht das ganze dann aus der Entfernung aus wie eine Insel oder ein kleiner Berg.

Alligatorenloch unter Wasser

Alligatorenloch unter Wasser ©Uwe Lenz

Insgesamt sollten wir auf unserer Tour durch zwei solcher Alligatorenlöcher waten und trotz der anfänglichen Angst, wir könnten Opfer einer ihrer Bewohner werden war es ein unvergessliches Erlebnis. Unser Everglades Guide „Ron“ erklärte uns die einzigartige Flora und machte uns auf die palmenartigen Pflanzen aufmerksam die überall als Parasiten an den Bäumen wachsen. Besonders aufregend war natürlich die Tierwelt in den Alligatorenlöchern, so sahen wir neben einigen Eidechsen, Fröschen und Schlagen auch viele Vogelarten und gleich drei der sehr scheuen Eulen. Das absolute Highlight dieser Wanderungen quer durch die Everglades war zweifelsohne aber ein weiterer Alligator, der nur einen Meter von uns entfernt im Wasser lauerte und friedlich für unsere Fotos posierte.

Schlange im Alligatorenloch

Schlange im Alligatorenloch ©Anne & Oli Hornung

Es ist schon erstaunlich wie nahe man diesen beeindruckenden Raubtieren kommen kann und wie friedlich, ja sogar schreckhaft, sie sich gegenüber Menschen verhalten. Auch unser Guide erklärte uns, dass es noch nie zu irgendwelchen Unfällen gekommen wäre – ja sogar, dass er bereits einmal aus versehen auf einen Alligator getreten sei den er übersehen hatte. Natürlich darf man nicht den gebotenen Respekt vor Alligatoren oder anderen großen Raubtieren verlieren, aber diese Begegnungen in den Everglades haben uns einmal mehr gezeigt welches falsche Bild viele Menschen von der Natur und der faszinierenden Tierwelt haben.

Bewohner des Alligatorenlochs

Bewohner des Alligatorenlochs ©Anne & Oli Hornung

Mit dem Kayak dem Sonnenuntergang in den Everglades entgegen

Zum Abschluss unserer Tour ging es noch ein wenig weiter in den Süden des Everglades Nationalparks, zu einer der tieferen Wasserflächen, für eine ausgedehnte Tour mit dem Kayak.

Vorbereitungen zur Kayaktour

Vorbereitungen zur Kayaktour ©Anne & Oli Hornung

Hier paddelten wir fast 2 Stunden durch die Mangrovengebiete der Everglades, genossen die Stille und die wundervolle Natur. Auch während unseres Kayakausflugs sahen wir noch einmal etliche Tiere wie Fischreier, Krebse und weitere Alligatoren bevor wir dann langsam in den großen „See“ zurückkehrten auf dem wir gestartet waren. Dort angekommen waren wir genau pünktlich zum Sonnenuntergang zurück und liessen uns mit den Kayaks einfach eine Weile mit dem Wind treiben. Es war einfach traumhaft…!

Kayaktour durch die Everglades

Kayaktour durch die Everglades ©Anne & Oli Hornung

Eine besondere Überraschung hielt dann noch unser Everglades Guide für uns bereit. Ganz überraschen förderte er aus einer Kühlbox auf seinem Kayak zwei Flaschen Wein, ein paar Nachos und Dips hervor. So genossen wir zum Ende unseres Everglades Abenteuers noch ein stilgemässes Picknick auf dem Wasser während wir den Untergang der Sonne genossen.

Sonnenuntergang in den Everglades

Sonnenuntergang in den Everglades ©Uwe Lenz

Die Everglades ein unvergessliches Abenteuer

Alles in allem war dieser Tag im Everglades Nationalpark mit Ron von „Garl’s Coastal Kayaking“ ein fantastisches Erlebnis. Dennoch hatten wir in den paar Stunden nur die Gelegenheit einen sehr kleinen Einblick in diese faszinierende Welt der Everglades zu erlagen und wir werden sicherlich eines Tages für eine ausgedehntere Tour durch den Nationalpark zurückkehren.

Vielen Dank für die tollen Fotos aus dem Textteil dieses Artikels an Anne & Oli Hornung, Edi Pauli und Uwe Lenz und auch noch einmal Danke [!!!] für diesen wunderbaren Florida Trip!

Ich hoffe dieser kleine Einblick in die Faszination des Everglades Nationalparks hat Euch gefallen und Ihr schaut weiterhin bei feel4nature vorbei. Was wir sonst noch alles in Florida und auf den Florida Keys erlebt haben und wie das Tauchen an den riesigen Wracks war, erfahrt Ihr in weiteren Artikel die in den nächsten Wochen folgen. Um keine News mehr zu verpassen könnt Ihr uns auch auf FacebookTwitter oder Google+ folgen.

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2 Kommentare

  • Michaela sagt:

    Wow, da wird einem echt immer was anderes vermittelt in den Medien. Klar sind die Alligatoren keine Haustiere, aber wie du beschreibst auch längst nicht das was uns vorgegaukelt wird.
    Ich hatte ein ähnliches Erlebnis in Australien, wo ich anfangs dachte jedes Krokodil frisst mich gleich. Bis mir mal einer den Unterschied zwischen Salz- und Süsswasserkrokodilen erklärte, und das letztere sich als eher harmlos herausstellte.
    Ich werd mir auf jeden Fall euren Touroperator merken, das hört sich nach nem coolen Trip an, den ich gerne machen möchte wenn ich es mal in die Everglades schaffe.

    • Christian sagt:

      Hallo Michaela,

      im Bezug auf „wilde Tiere“ wird in den Medien generell einiges falsch dargestellt – Angst lässt sich halt wesentlich besser verkaufen. Die Tour in den Everglades mit GCC können wir Dir in jedem Fall wärmstens empfehlen.

      Beste Grüße, Christian

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