Die Kathedralen des Lichts – Tauchen mit Cenote Adventures in den faszinierenden Cenoten der Yucatan Halbinsel

Ein unscheinbarer schmaler Pfad führt durch das grüne Dickicht des Regenwaldes. Zweige und Äste klatschen an allen Seiten gegen unseren Pick-up, der sich langsam, aber sicher seinen Weg durch den Dschungel bahnt. Ringsherum flattern Hunderte gelbe Schmetterlinge. Sie begleiten uns Eindringlinge in dieser von Touristen kaum besuchten Welt. Allein die Anfahrt ist vielmals ein wahres Abenteuer. Doch was den Taucher dann erwartet, ist schlichtweg atemberaubend, völlig anders als die üblichen Tauchgänge, die ein typisches Tauchlogbuch im Laufe der Jahre füllen.

Auf einer Lichtung inmitten des dicht bewachsenen Regenwaldes gibt eine Spalte im Boden den Blick auf ein fantastisches Farbspektakel frei. Von dunkelgrün bis azurblau leuchtet das Wasser in unwirklichen Farben. Diese glasklare, mystische Welt zieht uns in ihren Bann. Was hier, verborgen im Schutz des unwegsamen Regenwaldes der Yucatán-Halbinsel, das Verlangen nach Erkundung weckt, ist eine Cenote: ein Einstieg in die Unterwelt der Maya – und in eine völlig neue Taucherfahrung.

Cenoten – Mehr als nur dunkle Höhlen für Tauchprofis

Cenotentauchen wird meist assoziiert mit lichtlosen, tiefen Höhlen mit klarem Wasser und bizarren Tropfsteinen, die nur für ausgebildete Höhlentaucher erreichbar sind. Doch diese weitverbreitete Meinung geht vollkommen an der Realität vorbei. Sicher, viele Cenoten auf der Yucatán-Halbinsel reichen weit in den Untergrund hinein. Doch fernab dieser Bereiche ewiger Dunkelheit gibt es noch so viel mehr in den Tageslichtbereichen der Höhlen zu erleben – und zwar für jeden Taucher, der seine Tarierung ausreichend beherrscht, auch ganz ohne spezielle Ausbildung im Bereich des Höhlentauchens.

Alle Cenoten, die von Playa del Carmen aus zu betauchen sind, liegen mit ihren Einstiegen abseits der Straßen mitten im ursprünglichen Dschungel. Oftmals aber auch verbunden mit Toilettenanlagen und Bänken zum Anlegen der Ausrüstung. Man muss also kein Abenteurer sein, um die Faszination der Tauchgänge in Mexikos Höhlensystem erleben zu können. Fertig ”aufgerödelt“ geht es von den gut ausgebauten Parkflächen in voller Ausrüstung meist noch ein paar Schritte tiefer in den mexikanischen Dschungel hinein. Dann ist einer der imposanten Einstiege in die ”Unterwelt der Maya“ erreicht und das Tauchabenteuer in den Grotten Mexikos beginnt. Bereits der Anblick der meisten Einstiege begeistert: riesige Felsüberhänge, verwunschene Süßwasser- lagunen oder auch Einstiege, bei denen man aus mehreren Metern Höhe vom Fels direkt ins Wasser springt.

Abtauchen in die verzauberten Grotten Yucatáns

Nach einem letzten Check der Ausrüstung heißt es endlich: Abtauchen, hinein in die verzauberten Grotten Yucatáns. Die erwarteten engen, dunklen Gänge sucht man anfangs vergebens – sicherlich gibt es sie in den tieferen Bereichen der Höhlen. Doch zu Beginn sind es zweifelsohne die geheimnisvoll tanzenden Lichtstrahlen, die laserstrahlartig aus jeder Öffnung in die Tiefe schießen, die spiegelglatte Wasseroberfläche und die fantastischen Sichtweiten, in denen alles zu schweben scheint, die den Taucher in seinen Bann ziehen. Große Durchgänge, manche bis an die 30 Meter breit, führen uns vom Einstieg zu weiteren, im Dschungel verborgenen Ausgängen des weitverzweigten Cenotensystems.

Schwer fällt es, sich diesem faszinierenden Anblick zu entziehen, um ein wenig in die tieferen, mit Salzwasser angefüllten Regionen abzutauchen. Kaum ein paar Meter abgesunken, erwartet einen bereits die nächste Überraschung. Nicht nur, dass die Wassertemperaturen in diesen Regionen unüblicherweise ansteigen: Wo die Süßwasserschicht auf das schwerere Salzwasser trifft, bildet sich die für die Cenoten so typische ”Halocline“. Wie eine undurchdringliche Schicht zieht sich eine gestochen scharfe Linie durch das glasklare Wasser, unterhalb der alles in Unschärfe verschwimmt. Fasziniert folgt der Blick fast automatisch dem Vordermann, der mit seinem Körper diese Linie durchbricht und sich in der Unschärfe des Übergangs von Süß- zu Salzwasser zu verlieren scheint, bevor man selbst hineintaucht und die gesamte Umgebung um einen herum verschwimmt.

Oftmals bereits einige Zentimeter tiefer ist jegliche Unschärfe wieder vollkommen verschwunden und man kann – wendet man seinen Blick auf den nachfolgenden Taucher – sehen, wie sich dessen Konturen beim Durchdringen der Schichten scheinbar wieder materialisieren. Hat man sich erst einmal ”eingetaucht“ und an die vor Ort herrschenden Bedingungen gewöhnt, locken auch einige anspruchsvollere Cenoten mit weiteren spektakulären Trennschichten. So zieht sich zum Beispiel durch die obere Schicht der Cenote Car Wash im Sommer eine weiße, wolkenartige Schicht, welche die Aussicht durch die Oberfläche in einen mystischen Nebel taucht, obwohl das Wasser darunter glasklar ist. In den Cenoten Angelita und The Pit gibt es gar einen optischen ”Scheinboden“ auf fast 30 Meter Tiefe. Er besteht aus einer Schwefelschicht, die sich genau in der ”Halocline“ abgesetzt hat. Besonders imposant dabei ist es, mitzuerleben, wie andere Taucher durch diese Schwefelschicht hinabtauchen in die darunter liegende Dunkelheit und dabei scheinbar im Boden der Cenote versinken. Dieser Eindruck wird in Angelita noch verstärkt durch eine mit modrigen Bäumen ”bewachsene“ Insel, die geisterhaft durch die Schwefelschicht in den Süßwasserbereich hineinragt.

Auch die engeren Gänge, große, mit Luft gefüllte Kuppeln (”Airdomes“) und die märchenhaften Anordnungen von Stalaktiten und Stalagmiten finden sich reichlich in den anspruchsvolleren Cenoten. Doch selbst diese sind nach einer kurzen Eingewöhnungsphase für fast jeden Taucher mit sicherer Tarierung und dem richtigen Guide problemlos zu betauchen. In der Summe sind es aber der Gesamteindruck und der Abwechslungsreichtum, die das Tauchen im Tageslichtbereich in Mexikos Höhlensystemen so einzigartig machen. Von funkelnden Lichtspielen, Trennschichten, Fossilien über zauberhafte Tropfsteinformationen, luftgefüllte Kuppeln – teils von Fledermäusen bewohnt – bis hin zu kleinen Krokodilen, Schildkröten und anderen Bewohnern mancher Cenote wird so vieles geboten, dass jeder Tauchgang dort zum außergewöhnlichen Erlebnis wird.

Walhaie, Bullenhaie, Maya Pyramiden und mehr

Neben den Cenoten gibt es rund um die Yucatán-Halbinsel weitere spektakuläre Naturschauspiele zu beobachten. Bei einem Besuch zur richtigen Jahreszeit lassen sich diese leicht mit den Tauchgängen in den Cenoten kombinieren. So die nahezu garantierten Begegnungen mit dem größten Fisch unserer Ozeane, dem Walhai. Etwa von Juni bis August bieten die Gewässer nordöstlich der Yucatán-Halbinsel hervorragende Chancen, Walhaie beim Schnorcheln hautnah zu erleben. Nicht selten finden sich hier Gruppen mit 30 und mehr der imposanten, doch friedfertigen Planktonfiltrierer ein.

Eine weitere Attraktion gibt es von Dezember bis Februar direkt vor der Küste von Playa del Carmen zu sehen. Dort, auf einer großen Sandfläche, sammeln sich eindrucksvolle Bullenhaie, die aus der Meerestiefe zwischen Yucatán und Cozumel bei sinkenden Wassertemperaturen in höhere Regionen steigen. Das ermöglicht es Tauchern, diese Räuber auch ohne risikoreiche Anfütterungen aus nächster Nähe zu beobachten.

Natürlich wäre ein Besuch der Yucatán-Halbinsel nicht wirklich komplett, ohne zumindest einen Teil seiner Zeit auch den imposanten Bauwerken der Hochkultur der Maya zu widmen. Nicht nur die bekannten und gut besuchten Ruinen von Tulum, Cobá und Chichén Itzá beeindrucken, auch die weniger bekannten, doch höchst eindrucksvollen Anlagen wie die in Ek Balam ganz im Norden Yucatáns. Cenotentauchen, Korallenriffe, Walhaie, Bullenhaie, das charmante Playa del Carmen mit seinem karibisch-mediterranen Flair, die beeindruckenden Maya-Tempel – eine Yucatán-Reise steht für viele Höhepunkte und für Vielfalt.

Kennt Ihr Mexikos Cenoten?

Diese Artikel habe ich 2012 für das Tauchmagazin „Silent World“ geschrieben und ein passendes Video von mir findet Ihr in dem Beitrag „The Cathedrals of Light – Tauchen in den Cenoten der Maya“und explizit über das fantastische Tauchen in der Cenote Angelita unter Break On Through To The Other Side – Ein Tauchgang in der Cenote Angelita auf der Yucatan Halbinsel.

Übrigens ; mit feel4nature organisiere ich auch jedes Jahr mehrere Tauchgruppenreisen – falls Ihr mal Lust habt mit dabei zu sein, im Juni 2014 geht es wieder zu den Cenoten nach Playa del Carmen.

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3 Kommentare

  • Das ist wirklich atemberaubend, ich habe mir dazu auch gleich Dein Video angesehen. Zu Deiner Frage: Ich war 2014 an einem ähnlich einzigartigen Tauchspot, genauer gesagt in Brasilien, in Jardim (Nähe von Bonito im Staat Mato Grosso do sul, am Rande des Pantanal). Der Spot nennt sich „Lagoa Misteriosa“ was übersetzt „mysteriöse Lagune“ heißt. Es ist ein Höhenausgang mitten im Urwald, die sich in zwei Gänge abzweigtn, die bis zu einer Tiefe von 220 Metern erreichen und zu den tiefsten Brasiliens gehören. Je nach Können kann man dort bis zu 75 Meter runter. So gut geht´s bei mir nicht, aber es war trotzdem eine unglaublich tolle Erfahrung. Habe dazu auch einen kurzen Beitrag geschrieben, hoffe, es ist ok, wenn ich den mitposte (wenn nicht, einfach löschen): http://lebedraussen.de/2014/07/18/schlucht-unter-wasser-tauchen-in-der-mysterioesen-lagune/

    • Christian sagt:

      Hallo Bianca,

      ja – die Cenoten in Mexiko sind schon toll! 😀 Ähnliche Tauchspots gibt es natürlich von Florida bis ins nördliche Südamerika, aber nirgendwo werden die Höhlen so extensiv betaucht und sind so gut erschlossen wie in Mexiko – aber Deinen Artikel über Brasilien fand ich auch sehr spannend und werde das mal im Hinterkopf behalten. Vielleicht schliesst Du dich ja mal auf einer unserer Mexiko Touren an…?

      Beste Grüße, Christian

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